Geschichte der Vlothoer Post

 

Die ältesten Posteinrichtungen in unserer Heimat dienten zuerst vor allem dem Behördenverkehr. So richtete der Herzog Johann Wilhelm für seine Länder Jülich, Kleve, Berg, Mark und Ravensberg im Jahre 1594 eine Botenpost von Herford nach Düsseldorf ein, die auch der Drost von Vlotho für seine Berichte benutzte. Der Große Kurfürst schuf dann im Jahre 1646 eine reitende Post von Berlin nach Münster, wo damals die Friedensverhandlungen begannen. Später wurde diese Linie auf die Strecke Cleve - Königsberg erweitert. Neben die Reitpost trat 1694 eine Fahrpost zur Personenbeförderung. Den Briefverkehr innerhalb des Amtes Vlotho, z. B. von den Vögten zum Drosten, mussten die kleinen Bauern besorgen, die zum ,,Briefetragen" verpflichtet waren, während die spannpflichtigen Bauern Pferde und Wagen für die Reisen der Beamten stellen mussten.

 

Als um 1720 Minden als Sitz der Kriegs- und Domänenkammer Verwaltungsmittelpunkt wurde, wurde zwischen Vlotho und Minden eine Botenpost eingerichtet, die zunächst einmal später, zweimal in der Woche verkehrte. Das Kirchenbuch von Vlotho nennt uns den Namen eines dieser ersten Postboten. Es war Hermann Düsenberg, der im Jahre 1758 starb. Außerdem gab es noch eine Reitpost zwischen den Städten Detmold - Lemgo - Vlotho und Minden, die um 1800 auch zweimal wöchentlich verkehrte. Die Einrichtung des Landratsamtes in Herford machte die Schaffung einer Botenpost nach dort notwendig, die von 1817 ab Briefe von Herford nach Vlotho brachte und nach kurzem Aufenthalt am gleichen Tage wieder zurückkehrte.

 

Vlothoer, die verreisen wollten, mussten sich nach Rehme begeben, um dort die Post nach Minden oder Bielefeld zu erreichen, wo sie Anschluss an verschiedene andere Linien hatten. Eine Fahrpost bekam Vlotho erst im Jahre 1828; sie fuhr nach Rehme und bestand zuerst nur aus einem zweirädrigen Karren, der von einem Pferde gezogen wurde. Neun Jahre später kam noch eine zweispännige Post nach Minden über Holtrup-Hausberge hinzu. Die erst

1870 geschaffene sechssitzige Personenpost nach Rinteln bestand auch nur bis zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Löhne - Hameln im Jahre 1875.

 

Neuere Postkutschenlinien entstanden in den 1880er Jahren, als der hiesige Postbezirk durch verschiedene lippische Ortschaften vergrößert worden war. So fuhr 1885 je ein Postwagen täglich nach Langenholzhausen und Hohenhausen und ab 1888 ein weiterer über Wehrendorf nach Exter.

 

 

Reisen ein beschwerlich Ding

 

Die Wirklichkeit des Reisens mit der Postkutsche sah zumeist anders aus, als uns Maler und Dichter der Biedermeierzeit das glauben machen wollen. Die gewöhnlichen Postwagen waren nicht bequem und besaßen nur einfache Federungen, häufig ruhte der Wagenkasten sogar unmittelbar auf der Radachse. Was das bei schlechten Straßen - die guten konnte man sowieso zählen - bedeutete, kann sich jeder ausmalen. ,,Beinhaus der Lebendigen" nannte man deshalb auch wohl solch einen Wagen, welcher die Knochen knacke, in kürzester Zeit den rohesten Menschen weich mache und den hartnäckigsten Verbrecher zum

Heute erinnern noch Briefmarken an die Postkutschenzeit. 1957

Geständnis bringe. Noch einen anderen Nachteil hatte die Sache: Machte jemand eine größere Fahrt mit der Postkutsche, so nutzten Freunde und Bekannte die Gelegenheit, ihm alle möglichen Aufträge oder Einkäufe aufzugeben. Nicht umsonst sagte ein Sprichwort damaliger Zeit: „Wer mit der Post reist, muß eines Lastträgers Rücken und den Geldbeutel eines Fürsten haben."

 

Nach dem I. Weltkrieg erfolgte die Umstellung der noch vorhandenen Fahrposten auf den Kraftwagenbetrieb. Neben den großen Omnibussen versorgen heute kleinere Kraftwagen die Posthilfsstellen in den entfernteren Bauerschaften des Amtes Vlotho. Die an die Stadt angrenzenden Bauerschaften werden jedoch durch die vier Landbriefträger des Postamtes Vlotho bestellt.

 

Die erste Omnibuslinie eröffnete die Reichspost im Jahre 1925 zwischen dem Bahnhof Vlotho und Bad Seebruch, eine Linie, die um 1950 bis Hohenhausen verlängert worden ist. Vorher pflegten die Bäder Seebruch und Senkelteich ihre Gäste, die häufig ihr Bettzeug mitbrachten, mit Pferd und Wagen vom Bahnhof abzuholen. Eine zweite Postomnibuslinie, die ebenfalls nach Hohenhausen mit Anschluss nach Lemgo fährt, führt über Kalldorf und Langenholzhausen. Diese Verbindungen bieten mit 16 Abfahrten vom Bahnhof Vlotho aus an den Wochentagen genügend Fahrgelegenheiten für die Vlothoer Bevölkerung.

1989

 

Postamt und Telegraphenwesen

 

Mit dem Bau eines eigenen Postamt wurde 1894 begonnen. Vorher standen nur gemietete Räume zur Verfügung, eine Zeitlang im Gasthause „Zur Post" an der Weserstraße, die 1861 durch einen Anbau zur Poststraße hin erweitert wurden. Sie wurden am 1. 4. 1895 durch das Postgebäude ersetzt, in dem von 1931 bis 1977 das ,,Vlothoer Wochenblatt" gedruckt wurde. Der schnell zunehmende Verkehr, zu dem inzwischen auch der Omnibusbetrieb hinzugekommen war, führte schon im Jahre 1931 zu einem Neubau, der in dem ehemaligen Hillebrechtschen Garten errichtet und am 21. 2. 1932 bezogen wurde. Die Baukosten betrugen damals 162.400 DM.

 

Zu der gleichen Zeit (1932) wurde auch der Fernsprechbetrieb, den Vlotho im Jahre 1900 bekommen hatte, auf Selbstwählbetrieb umgestellt. Die Zahl der 50 Teilnehmer im Jahre 1906 hatte sich bis 1956 auf 655 erhöht.

 

An das Telegraphennetz war Vlotho dagegen schon zugleich mit Herford im Jahre 1863 angeschlossen worden. Wie sehr Vlotho damals noch Herford an wirtschaftlicher Bedeutung übertraf, zeigt die Tatsache, dass im Jahre 1865 in Vlotho (2.807 Einwohner) 667 und in Herford (10.448 Einw.) nur 171 Telegramme aufgegeben wurden.

 

Telefone dieser Art wurden in den 1950/60er Jahren auch in Vlotho benutzt.

Die ersten Postverwalter 

 

Als erster Postverwalter wird um 1800 der Postkommissar Schmidt genannt, der jedoch noch auf vielen andern Gebieten eifrig tätig war. Nach den Befreiungs- kriegen wurde in Minden ein Grenzpostamt eingerichtet, dem 8 Postexpeditionen unterstanden. Dazu gehörte auch die Postexpedition II. Klasse Vlotho, die von dem Stadtsekretär Tente nebenbei geleitet wurde. Das Austragen der nicht abgeholten Briefe besorgte ein Briefträger gegen Sonderzuschlag. 1860 wurde Vlotho Postexpedition I. Klasse und der damalige Postexpediteur zum Postexpedienten befördert. 1871 bekam das Postamt II. Klasse einen Postmeister als Leiter und mit dem 1. 4. 1903 als Postamt I. Klasse einen Postdirektor.

 

Die Ausdehnung der Postzustellung auf die Landgemeinden, die erst um 1870 erfolgte, bedingte natürlich eine Vermehrung des Personals, zu dem 1865 3 Beamte, 1 Unterbeamter und 2 Diener gehörten. 1884 waren es 3 Beamte und 6 Brief boten und 1887 5 Beamte und 12 Postboten.

 

1927 unterstanden dem Postamt Vlotho 5 Postagenturen in Kalldorf, Exter, Langenholzhausen, Lüdenhausen und Wehrendorf und außerdem noch 12 Posthilfsstellen. Das Personal beim Postamt Vlotho - die andern Poststellen wurden damals  noch nebenamtlich verwaltet -  umfasste 20 Köpfe, 1956 waren es 42. Dazu kamen aber noch 9 Mann, die im technischen Kraftfahrdienst, und weitere 4, die im technischen Fernmeldedienst tätig waren.