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Geschichte Bökenburg
Am 9. Mai 1967 verschwanden sie von der Bildfläche: die „Bökenburg" und das Heuerlingshaus von nebenan
In dem Winkel zwischen der Wasserstraße und der Kampstraße ließ der wohlhabende Schlachtermeister Christian Friedrich Böke 1841 auf dem nach ihm benannten „Böken Kamp" ein Bauernhaus und unmittelbar nebenan ein Heuerlingshaus errichten. Er verpachtete das Anwesen an einen „landwirtschaftlich geübten" Einwohner aus Valdorf. Böke besaß auch am „Ölgebrink", wie die Ölbrinkstraße auf plattdeutsch, der damals gebräuchlichsten Umgangssprache, genannt wurde, das auch heute noch dort befindliche Haus mit der Nummer 26. Es diente ihm nicht allein als Wohnhaus, denn er ging dort auch seinem Handwerk nach.
Der Besitz reichte also aus, um diesen für Schlachtereizwecken nutzbar zu machen und das dort bearbeitete und verarbeitete Fleisch anzubieten. Schließlich zählte zum Bökeschen Besitz noch ein im Hintergrund der Karlstraße gelegenes Grundstück, das nach dem Ersten Weltkrieg von dem Fabrikaten Fritz Stübbe erworben und bebaut wurde. Dieser bis dahin landwirtschaftlich beanspruchte Bereich war eigentlich nur unter der Bezeichnung „Böken Zuschlag" oder „Zuschlag" bekannt. Das galt als Hinweis darauf, dass bei einer früheren von Gerichts wegen angeordneten Versteigerung des Grundstücks dem Christian Friedrich Böke der Zuschlag erteilt worden war.
Das an der Wasserstraße/Kamp-Straße erbaute Bauernhaus, die ,,Bökenburg", hatte allerdings mit einer Burg rein gar nichts zu tun. Der Volksmund hatte dem Haus wahrscheinlich wohl diesen Beinamen angedichtet, weil es sich wegen seiner voluminösen Ausmaße vom Alltäglichen abhob. Die Bestätigung dafür mag der hintere Teil des Fachwerkhauses mit einer annähernd 120 Quadratmeter großen Deele (Diele) und mit ausgedehnten Stallungen für Kühe, Hammel, Schweine und Pferde gewesen sein. „Böken Kamp" war vom Gelände her ein unverwechselbarer Bestandteil der am Winterberg fast 400 Morgen im Eigentum des Schlachters Böke aufweisenden Ländereien und Waldungen.
1967 „fiel" der Bagger über die „Bökenburg" und das Heuerlingshaus her, damit an dieser Stelle das Fernsprech-Vermittlungsamt entstehen konnte.
In der 1841 nicht mehr als rund 2000 Einwohner zählenden Stadt Vlotho gab es nur drei größere, nennenswerte landwirtschaftliche Betriebe, und zwar den des Freisassen Meyer, den der evangelischen Gemeinde von St. Stephans und eben den von Böke. Zu jener Zeit gab es am unteren Winterberg nur die Wasserstraße, eine nach dem Friedhof führende Straße, die Jägerortstraße, den Böhmerweg (eine von der Wasserstraße direkt nach dem Ölbrink führende Zuwegung), die Winterbergstraße und die Steinstraße. Das dazugehörige Gelände war kaum bebaut. Etwa 25 weit aus einander liegende Kleinhäuser, deren Eigentümer sich schlecht und recht als Selbstversorger ernährten oder in den wenigen vorhandenen Betrieben arbeiteten, konnten nur über Feldwege erreicht werden.
Nach 1919, ganz besonders aber nach dem Zweiten Weltkrieg, wuchs das Straßennetz enorm. Dementsprechend wurden zum Beispiel die Kampstraße, die Südstraße, die Mendel-Grundmann-Straße, der Margarethenweg, die Rosenstraße, die Wiesenstraße, die Kaiserstraße, die Wilhelm-Kölling-Straße und der Linnenbeeker Weg gebaut.
Christian Friedrich Bökes Urenkel blieben dem Beruf ihres als vorbildlich geltenden Urahnen treu. Der ältere von ihnen, Fritz Böke, übernahm das Eigentum am Ölbrink. Der jüngere Böke bezog das ihm vom Uropa geschenkte Haus Lange Straße 123, das an der Ecke Lange Straße und Burgstraße seinen Platz hatte. Dieses Wohn- und Geschäftshaus verfügte bereits über einen Laden, eine derzeit als modern erachtete „Wursteküche" und über einen Eiskeller. Das in dem Keller gespeicherte Eis, das im Winter auf dem zugefrorenen Akemeierschen Teich in Hollwiesen gebrochen wurde, sorgte dafür, dass auch im Hochsommer die Fleisch- und Wurstwaren immer genüsslich frisch waren. Eines Tages machte die „löbliche" Stadtsanierung aus absolut unerfindlichen Gründen diesem einwandfrei beschaffenen und gut aussehenden Anwesen den Garaus. Beinah auf den Meter genau entstand an gleicher Stelle ein Neubau (neben dem Friseurgeschäft Sander). Die Eigentümerin des vormaligen Hauses, die Ehefrau des im Zweiten Weltkrieg gefallenen Schlachtermeisters Heinz Böke, fühlte sich vertrieben; sie verließ Vlotho mit ihrer Tochter, ihrem Schwiegersohn und ihrer 90jährigen Mutter.
Ergänzenswert erscheint die Feststellung, dass die beiden Ackerbauhäuser auf „Böken Kamp" einen baulichen Aufwand von 8.651 Taler erforderten. Diese Summe war säuberlich unterteilt nach den handwerklichen Leistungen registriert worden. Sogar der „Richtschmaus", der aus „Grünen Bohnen, Reis und Hammelfleisch" zubereitet wurde, blieb nicht unerwähnt. Er kostete zwölf Taler und 70 Mariengroschen.
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