Haus Fasse an der Salzuflener Straße. Foto: 2009.

 

 

 

Fortsetzung:

 

Verarbeitung

Die Racke und das Spinnrad, der Ribbellappen, der Haspel und die Bukemühle sind noch Erinnerungsstücke (teils in Museen bewahrt) an die Zeiten des Flachsspinnens und -webens. Nicht zu vergessen die „Räudekohle“ oder „Rötekuhle“. Bis vor einigen Jahrzehnt kannte man noch einige in Vlotho, insbesondere auf dem platten Lande. In ihnen wurde der Flachs „gebleicht“, mit anderen Worten eingeweicht, damit die harten Stengel sich von der Spinnfaser trennen ließen. Die Rötekuhle verdankte ihren Namen der Tatsache, dass sie aus einer im roten Lehm ausgehobenen Vertiefung bestand. Es musste allemal Lehm sein, weil er infolge seiner Wasserundurchlässigkeit den langzeitigen Prozess des Flachsbleichens sicherte. Bevor Nadel und Faden das Leinen angingen, musste es mehr oder weniger noch gefärbt werden. Dieser Aufgabe kamen die „Fassesche“ Färberei in Valdorf und die nächstgelegene „Farbe“ in Wüsten nach. Sie waren weit und breit bekannt. Sogar im Lande Lippe und noch weit darüber hinaus.

 

Die Arbeitshäuser

Hermann Fasse betrieb in einem Fachwerkhaus, das im Bereich des späteren Simeonsstiftes in Valdorf angesiedelt war, zunächst eine Färberei. 1865 zog er auf der Horst in zwei Neubauten ein, die an der Salzuflener Straße (damals Valdorf-West Nr. 87) entstanden unter Verwendung des Valdorfer Urgesteins, des Horststeines, der an Ort und Stelle des Bauvorhabens ausgebuddelt worden war. Das größere von beiden Häusern diente Wohn- und Färbereizwecken, das kleinere nur der Färberei. Beide Häuser mit den Hausnummern 36 sind heute noch vorhanden und dort platziert, wo unmittelbar die Wege „Rottstraße“ und „Im Kanaan“ abzweigen. Lediglich das kleine Haus, in dem sich inzwischen die Blumen- und Kranzbinderei Ehlers-Fasse niedergelassen hatte, wurde später verputzt.

 

Die Wanderschaft

Der Sohn Friedrich Ludwig übernahm das Erbe und tat es seinem Vater gleich, auf der Horst Leinen zu färben. Bevor er jedoch das Recht dazu erhielt, musste er sich zunftgemäß auf die Wanderschaft begeben, um den Gesellenbrief zu erwerben. Seine Wanderungen führten ihn bis nach Prag.

 

Das Färben

Danach war es dann schließlich soweit, dass Friedrich Ludwig Fasse, der letzte der heimischen Zunft, da anfing, wo der Vater aufgehört hatte. Er „veredelte“, wie schon zu Vaters Zeiten, das Leinen, damit es für Kleiderzwecke zurechtgeschneidert werden konnte. Mit Hilfe eines nicht geringen Farbreichtums färbte er das schneeweiße Leinen. Zum Teil war es auch zuvor mit allen möglichen Mustern versehen worden. Je nachdem... Die benutzten Farben wurden dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich entnommen. Zum guten Schluss wurde das gefärbte Leinen noch appretiert und mit einem Achatstein (Halbedelstein) geglättet. Das ging so vor sich, dass der Stein mittels einer Stange, die unter der Decke angebracht war, unermüdlich über das Leinen hin- und hergewetzt wurde.

 

Das Fassesche Leinen wurde vorrangig auf der anderen Weserseite, in Uffeln, Veltheim, Möllbergen, Eisbergen, Holtrup, Hausberge und im Mindener

 

Eine Uffelner Einwohnerin in der großartigen Tracht, die jenseits der Weser allenthalben noch nach dem ersten Weltkrieg getragen wurde. Sie ist am Spinnrad damit beschäftigt, einen leinenen Faden zu verspinnen - es hatte auch ein Wollfaden sein können. Seinerzeit verfügte jede Familie - nicht übertrieben - über ein Spinnrad.

Bereich für die vielseitige, bunte Trachtenkleidung verwendet.

Friedrich Ludwig Fasse, der nach dem Ersten Weltkrieg starb, war ein humorvoller Mann, freundlich und hilfsbereit. Er verstand seinen Beruf und das Geschäftliche aus dem Effeff, wahrscheinlich gestützt auf seinen Wahlspruch: „Hören und Sehen ist die Grundlage allen Wissens!" Aus zwei Ehen hinterließ er neun Kinder. Eines davon, war Margarethe Fasse, sie lebte bis zuletzt im elterlichen Haus. Sie wurde fast 100 Jahre alt.