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Fortsetzung:
Verarbeitung
Die Racke und das
Spinnrad, der Ribbellappen, der Haspel und die Bukemühle sind
noch Erinnerungsstücke (teils in Museen bewahrt) an die Zeiten
des Flachsspinnens und -webens. Nicht zu vergessen die „Räudekohle“
oder „Rötekuhle“. Bis vor einigen Jahrzehnt kannte man noch
einige in Vlotho, insbesondere auf dem platten Lande. In ihnen
wurde der Flachs „gebleicht“, mit anderen Worten eingeweicht,
damit die harten Stengel sich von der Spinnfaser trennen ließen.
Die Rötekuhle verdankte ihren Namen der Tatsache, dass sie aus
einer im roten Lehm ausgehobenen Vertiefung bestand. Es musste
allemal Lehm sein, weil er infolge seiner
Wasserundurchlässigkeit den langzeitigen Prozess des
Flachsbleichens sicherte. Bevor Nadel und Faden das Leinen
angingen, musste es mehr oder weniger noch gefärbt werden.
Dieser Aufgabe kamen die „Fassesche“ Färberei in Valdorf und die
nächstgelegene „Farbe“ in Wüsten nach. Sie waren weit und breit
bekannt. Sogar im Lande Lippe und noch weit darüber hinaus.
Die Arbeitshäuser
Hermann Fasse betrieb
in einem Fachwerkhaus, das im Bereich des späteren
Simeonsstiftes in Valdorf angesiedelt war, zunächst eine
Färberei. 1865 zog er auf der Horst in zwei Neubauten ein, die
an der Salzuflener Straße (damals Valdorf-West Nr. 87)
entstanden unter Verwendung des Valdorfer Urgesteins, des
Horststeines, der an Ort und Stelle des Bauvorhabens
ausgebuddelt worden war. Das größere von beiden Häusern diente
Wohn- und Färbereizwecken, das kleinere nur der Färberei. Beide
Häuser mit den Hausnummern 36 sind heute noch vorhanden und dort
platziert, wo unmittelbar die Wege „Rottstraße“ und „Im Kanaan“
abzweigen. Lediglich das kleine Haus, in dem sich inzwischen die
Blumen- und Kranzbinderei Ehlers-Fasse niedergelassen hatte,
wurde später verputzt.
Die Wanderschaft
Der Sohn Friedrich
Ludwig übernahm das Erbe und tat es seinem Vater gleich, auf der
Horst Leinen zu färben. Bevor er jedoch das Recht dazu erhielt,
musste er sich zunftgemäß auf die Wanderschaft begeben, um den
Gesellenbrief zu erwerben. Seine Wanderungen führten ihn bis
nach Prag. |
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Das Färben
Danach war es dann
schließlich soweit, dass Friedrich Ludwig Fasse, der letzte der
heimischen Zunft, da anfing, wo der Vater aufgehört hatte. Er
„veredelte“, wie schon zu Vaters Zeiten, das Leinen, damit es
für Kleiderzwecke zurechtgeschneidert werden konnte. Mit Hilfe
eines nicht geringen Farbreichtums färbte er das schneeweiße
Leinen. Zum Teil war es auch zuvor mit allen möglichen Mustern
versehen worden. Je nachdem... Die benutzten Farben wurden dem
Mineral-, Pflanzen- und Tierreich entnommen. Zum guten Schluss
wurde das gefärbte Leinen noch appretiert und mit einem
Achatstein (Halbedelstein) geglättet. Das ging so vor sich, dass
der Stein mittels einer Stange, die unter der Decke angebracht
war, unermüdlich über das Leinen hin- und hergewetzt wurde.
Das Fassesche Leinen
wurde vorrangig auf der anderen Weserseite, in Uffeln, Veltheim,
Möllbergen, Eisbergen, Holtrup, Hausberge und im Mindener
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Eine Uffelner Einwohnerin in der großartigen Tracht, die
jenseits der Weser allenthalben noch nach dem ersten Weltkrieg
getragen wurde. Sie ist am Spinnrad damit beschäftigt, einen
leinenen Faden zu verspinnen - es hatte auch ein Wollfaden sein
können. Seinerzeit verfügte jede Familie - nicht übertrieben -
über ein Spinnrad. |
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Bereich für die vielseitige,
bunte Trachtenkleidung verwendet.
Friedrich Ludwig
Fasse, der nach dem Ersten Weltkrieg starb, war ein humorvoller
Mann, freundlich und hilfsbereit. Er verstand seinen Beruf und
das Geschäftliche aus dem Effeff, wahrscheinlich gestützt auf
seinen Wahlspruch: „Hören und Sehen ist die Grundlage allen
Wissens!" Aus zwei Ehen hinterließ er neun Kinder. Eines davon,
war Margarethe Fasse, sie lebte bis zuletzt im elterlichen Haus.
Sie wurde fast 100 Jahre alt.
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