|
Arbeitsalltag in
Schürmanns Backstube
Ein Bericht des Vlothoer
Wochenblatt , am 20. Februar 1979
Morgens um 4 Uhr
beginnt der Arbeitstag des Bäckermeisters Fritz Schürmann
(geb.1930), |
|
 |
denn um 6 Uhr
wollen schon die ersten Frühaufsteher ihre frischen Brötchen zum
Frühstück holen. Während die Brötchen und das Weißbrot im Ofen
sind, werden die verschiedenen Brotteige geknetet - von modernen
Knetmaschinen und nicht mehr wie früher mit der Hand. Der
Brotteig wurde schon am Abend vorher mit Sauerteig angesetzt -
über Nacht musste er „säuern“. Gegen 8:30 Uhr werden dann die
ersten Brote in die drei großen ölbeheizten Dampfbacköfen
geschoben.
An der Rückfront der
Ofen befinden sich die mit Wasser gefüllten Schwadenkästen, ans
denen während des Einschiebens des Brotes durch Spritzdüsen
Wasser in die auf 250 ° vor geheizten Öfen tritt. Der
entstehende Wasserdampf bewirkt ein besseres Aufgehen des
Brotes und bestimmt damit dessen poröse und lockere
Beschaffenheit. Gegen 10.45 Uhr ist das Brot gar gebacken und
wird mit dem langen Schieber aus dem Ofen geholt. 24 von den
kleineren Brotsorten und 13 von den größeren passen jeweils in
einen Ofen und werden so gleichseitig gebacken. |
|
Ehefrau Margarete
muss tüchtig mit zufassen
Wir Deutschen sind
wohl die verwöhntesten Brotesser der Welt. In keinem anderen
Land bieten die Bäcker eine solche Vielfalt, nämlich 200
verschiedene Brotsorten an. 10 Sorten Brot werden in der
Bäckerei Schürmann gebacken - vorwiegend Roggenmischbrote -
außerdem natürlich Kleingebäck und Kuchen. In einem Lieferwagen
bringt Bäckermeister Schürmann den Kunden in und um Vlotho
täglich |
|

Geselle Dieter
Friedrich am
Arbeitsplatz.
Foto: um 1970.
|
frisches Brot bis
vor die Haustür. Außer seinem Gesellen Dieter Friedrich, der
schon 16 Jahre für ihn arbeitet, hat Fritz Schümann keine Hilfe
in der Backstube.
So muss denn Ehefrau
Margarete tüchtig mit zufassen. Nachwuchs für den Bäckerberuf
gibt es kaum. Wenn die früher schwere körperliche Arbeit heute
auch weites gehend durch moderne Maschinen erleichtert wird, so
bleibt doch das frühe Aufstehen und die Arbeit an Samstagen, die
viele junge Leute abschreckt.
Das in Fachkreisen
seit Jahren sehr umstrittene Nachtbackverbot - ein Gesetz aus
dem Jahre 1915 - sollte nach Meinung von Bäcker Schürmann
bestehen bleiben, da eine Aufhebung dieses Gesetzes, das das
Backen in der Zeit von 22 bis 4 Uhr verbietet der Brotindustrie
die Möglichkeit gibt, rund um die Uhr in Schichten zu arbeiten.
Das würde die kleinen Handwerksbäckerbetriebe aus
Wettbewerbsgründen zwingen, den Arbeitsbeginn |