Stichwort Haus Oelbrinkstraße Nr. 12 (alt Vlotho Nr. 220)

 

Eines der alten Wohngebiete Vlothos ist die Oelbrinkstraße. Betrachtet man den Stadtplan aus der „Geschichte der Herrschaft und Stadt Vlotho" von Rektor Heinrich Harland aus dem Jahre 1888, so findet man als dicht bebaute und benannte Straße nur die Lange Straße, die Oelbrinkstraße und die Weserstraße bis zum Forellenbach. Im Übrigen waren die Häuser durchnummeriert von Nr. 1 (am Bliekenend) bis Nr. 366 (Busunternehmer Begemann). Eines dieser Häuser aus Alt-Vlotho ist das auf dem Bild sichtbare Fachwerkhaus „ Am Oelbrink" Nr. 220.

 

Mit der Benennung weiterer Straßen und durchlaufender Nummerierung der Häuser (1910) erhielt es die Bezeichnung Oelbrinkstraße 12. Dieses Haus war immer städtisch, bzw. muss den Rechtsvorgängern der Stadt gehört haben. Die Aufnahme wurde kurz vor Abbruch des Hauses, wahrscheinlich 1938, gemacht, nachdem es der bei der Badeverwaltung in Bad Oeynhausen beschäftigte Böttcher Rettich gekauft hatte. Das Rettichsche Haus ist rechts im Bild zu sehen. Das Gebäude im Hintergrund an der linken Bildseite ist die ehemalige Druckerei Beckmann.

Die letzten Bewohner des Hauses Oelbrinkstraße 12 waren die Familie Nacke und Dreischmeier. Der einzige Sohn der Familie Dreischmeier ist im letzten Weltkrieg gefallen.

Das Haus hatte als Besonderheit zwei Eingänge, wobei der linke Eingang etwa 40 cm höher als der rechte war. Eine frühere Nutzung des Dachbodens hinter dem

 

Haus Nr. 12 war ein  städtisches Fachwerkhaus, in dem die Familien Nacke und Dreischmeier lebten, bis das Haus um 1936 abgerissen wurde.

Das hohe Gebäude dahinter ist Nr. 10. Später Druckerei Beckmann.

verbretterten Giebel ist nicht mehr erkennbar. Der Stromanschluss fand, wie überall in Vlotho, durch Freileitungen statt. Die Fenster waren mit Fensterläden versehen. Den Schornstein hatte man mit einem Tonrohr verlängert, um einen besseren Schornsteinzug zu haben. Die Ableitung des Regenwassers erfolgte durch eine unterirdische Leitung in der Oelbrinkstraße in den Forellenbach. Die an der Traufenseite sichtbare Schwelle auf dem Ziegelsteinsockel an der Giebelseite ist nicht erkennbar. Ich vermute, dass die Schwelle an der Giebelseite beim Ausbau des Oelbrinks mit Köpfsteinpflaster im Erdboden verschwunden ist. Das Haus ragte etwa zwei Meter in die Oelbrinkstraße hinein, denn am hinteren Ende des Hauses begann gleich der Steilhang des Berges.

Die Bewohner des Hauses im 19. Jahrhundert sind mir nicht bekannt, mit großer Wahrscheinlichkeit haben dort im 18. Jahrhundert eine oder zwei Familien gewohnt, deren Ernährer im Dienste der preußischen Kriegs- und Domänen-Verwaltung tätig waren, denn das Fachwerkhaus war das einzige Gebäude, „unterm Oelbrink" - vor der Oelmühle - das sich im Besitz der öffentlichen Hand befand.