|
Geschichte des Hauses Oelbrinkstraße Nr. 26
Das
Haus enthielt ursprünglich nur eine zweigeschossige Auslucht an der
Nordostseite. Im Rahmen eines Anbaus, vielleicht um Raum für gewerbliche
Zwecke zu schaffen, hat einer der Besitzer das Haus um einen Anbau an
der Nordwestseite erweitert, so dass der Giebel schief ist und pfiffigerweise eine zweite Auslucht hinzufügen lassen. Auffällig auch die
verschiedenen Fenstertypen. Diese zweite Auslucht ragt in die
Oelbrinkstraße hinein und ermöglicht den Bewohnern nach Westen zu
schauen. Da die Oelbrinkstraße an dieser Stelle sehr schmal war (das
gegenüberliegende Haus Oelbrinkstraße Nr. 3, früher Vlotho Nr. 211,
brannte am 17.5.1906 ab und der Bäckermeister Schürmann drehte seinen
Neubau um 90 Grad, wobei er das aufgehende Mauerwerk zugunsten der
Straße verschob) erhielt die Auslucht von Nr. 212 einen Radabweiser aus
Naturstein.
|
 |
Leider ist das Haus,
wahrscheinlich aus Gründen des Brandschutzes, vor dem ersten
Weltkrieg verputzt worden; man kann jedoch die bereits erwähnten
vorkragenden Fassadenteile erkennen; ebenfalls die Köpfe der
Dachbalkenlage bzw. einer Pfette. In dem Haus hat bis um 1930
der Schlachtermeister Fritz Böke gewohnt und eine Fleischerei
betrieben; nicht zu verwechseln mit dem jüngeren Bruder
Fleischermeister Carl Böke, der an der Langen Str. 123 eine
Fleischerei betrieb. Auch Carl Böke wurde in Vlotho Nr. 212
geboren. Mit dem Namen Böke sind Bezeichnungen wie „Bökenburg",
„Böken Kamp", „Böken Zuschlag" verbunden. Letzterer ist in
verkleinerter Form der „Birkenschlag" in der Karlstraße
unterhalb des Hofes Scherfeld.
In höherem Alter
vergab Fritz Böke seine Fleischerei an Hermann Kreie und zog mit
seiner Frau zur einzigen Tochter, die einen Textilkaufmann aus
Barntrup geheiratet hatte. Später betrieb in dem Hause der
Pferdeschlachter |
|
Haus Oelbrinkstraße Nr. 26 um 1945. |
|
Sturhahn aus Herford eine Filiale.
Das Haus war dann in
verschiedenen Händen. Dass zumindest die Giebelseite noch in
verhältnismäßig zufrieden stellendem Zustand ist, zeugt von der
Güte solider Zimmermannsarbeit, denn die einzelnen Bauteile
wurden mit eichenen Holznägeln verzimmert. Für diese „Pinne",
heute würde man „Dübel" sagen, mussten die entsprechenden Löcher
in die Ständer und Balken von Hand gebohrt werden - körperliche
Schwerstarbeit!
Die Aufnahme ist
meines Erachtens zwischen 1940 und 1950 gemacht worden, denn sie
zeigt noch das für Vlotho typische Kopfsteinpflaster. Rechts
erkennt man einen Teil der ehemaligen
Bäckerei Schürmann. Der aus Rehme stammende Fritz Schürmann
hatte in der Bäckerei Jahns (Lange Straße 100, später Seele)
gelernt und das Anwesen nach seiner Militärzeit bei den
„1915ern" in Minden und der folgenden Wanderjahre 1896 vom alten
Maurermeister Schmidt gekauft. Wie er oft erzählte, war zu der
Zeit die Oelbrinkstraße eine Hauptdurchgangsstraße und schon mit
Kopfsteinpflaster versehen, während die Lange Straße noch eine
wassergebundene Decke (wie die Dammstraße) besaß.
Wie man später
erfuhr, ist das Haus 1640 erbaut und 2001 durch M. und C.
Nordmann erneuert worden.
|
|