Ein Schmuckstück ist heute das Haus Oelbrinkstraße Nr. 26 - Foto: 2009.

 

 

Der Hausspruch, der sich an der Auslucht befindet.

 

 

 

Geschichte des Hauses Oelbrinkstraße Nr. 26

 

Das Haus enthielt ursprünglich nur eine zweigeschossige Auslucht an der Nordostseite. Im Rahmen eines Anbaus, vielleicht um Raum für gewerbliche Zwecke zu schaffen, hat einer der Besitzer das Haus um einen Anbau an der Nordwestseite erweitert, so dass der Giebel schief ist und pfiffigerweise eine zweite Auslucht hinzufügen lassen. Auffällig auch die verschiedenen Fenstertypen. Diese zweite Auslucht ragt in die Oelbrinkstraße hinein und ermöglicht den Bewohnern nach Westen zu schauen. Da die Oelbrinkstraße an dieser Stelle sehr schmal war (das gegenüberliegende Haus Oelbrinkstraße Nr. 3, früher Vlotho Nr. 211, brannte am 17.5.1906 ab und der Bäckermeister Schürmann drehte seinen Neubau um 90 Grad, wobei er das aufgehende Mauerwerk zugunsten der Straße verschob) erhielt die Auslucht von Nr. 212 einen Radabweiser aus Naturstein.

 

Leider ist das Haus, wahrscheinlich aus Gründen des Brandschutzes, vor dem ersten Weltkrieg verputzt worden; man kann jedoch die bereits erwähnten vorkragenden Fassadenteile erkennen; ebenfalls die Köpfe der Dachbalkenlage bzw. einer Pfette. In dem Haus hat bis um 1930 der Schlachtermeister Fritz Böke gewohnt und eine Fleischerei betrieben; nicht zu verwechseln mit dem jüngeren Bruder Fleischermeister Carl Böke, der an der Langen Str. 123 eine Fleischerei betrieb. Auch Carl Böke wurde in Vlotho Nr. 212 geboren. Mit dem Namen Böke sind Bezeichnungen wie „Bökenburg", „Böken Kamp", „Böken Zuschlag" verbunden. Letzterer ist in verkleinerter Form der „Birkenschlag" in der Karlstraße unterhalb des Hofes Scherfeld.

In höherem Alter vergab Fritz Böke seine Fleischerei an Hermann Kreie und zog mit seiner Frau zur einzigen Tochter, die einen Textilkaufmann aus Barntrup geheiratet hatte. Später betrieb in dem Hause der Pferdeschlachter

Haus Oelbrinkstraße Nr. 26 um 1945.

Sturhahn aus Herford eine Filiale.

 

Das Haus war dann in verschiedenen Händen. Dass zumindest die Giebelseite noch in verhältnismäßig zufrieden stellendem Zustand ist, zeugt von der Güte solider Zimmermannsarbeit, denn die einzelnen Bauteile wurden mit eichenen Holznägeln verzimmert. Für diese „Pinne", heute würde man „Dübel" sagen, mussten die entsprechenden Löcher in die Ständer und Balken von Hand gebohrt werden - körperliche Schwerstarbeit!

Die Aufnahme ist meines Erachtens zwischen 1940 und 1950 gemacht worden, denn sie zeigt noch das für Vlotho typische Kopfsteinpflaster. Rechts erkennt man einen Teil der ehemaligen Bäckerei Schürmann. Der aus Rehme stammende Fritz Schürmann hatte in der Bäckerei Jahns (Lange Straße 100, später Seele) gelernt und das Anwesen nach seiner Militärzeit bei den „1915ern" in Minden und der folgenden Wanderjahre 1896 vom alten Maurermeister Schmidt gekauft. Wie er oft erzählte, war zu der Zeit die Oelbrinkstraße eine Hauptdurchgangsstraße und schon mit Kopfsteinpflaster versehen, während die Lange Straße noch eine wassergebundene Decke (wie die Dammstraße) besaß.

 

Wie man später erfuhr, ist das Haus 1640 erbaut und 2001 durch M. und C. Nordmann erneuert worden.