Das Foto zeigt die Mühle Wippermann am Mühlenweg (nähe dem heutigen Marktkauf) wie sie nach dem Brand im Jahre 1915 wiederaufgebaut wurde und bis zum Abriss im Mai 1976 aussah. Die Mühle wurde bereits 1955 stillgelegt. Foto: 1975.

 

 

 

Fortsetzung:

 

Mag es an aufklärenden Feststellungen indes nicht mangeln. Im Jahre 1671 verkaufte der Vlothoer Bürger Bertram Schilling seine Walk- und Bokemühle für 1.000 Taler an den Rentmeister des Amtes Vlotho, Jobst von Briel. Dieser Jobst von Briel war, was wohl noch eingefügt werden darf, ein sehr angesehener Bürger. Er und seine Ehefrau verhalfen der St.-Stephans-Kirche dank einer Spende zur Kanzel „zur Ehre  Gottes", aus christlichem Gemüthe und Liebe zu Gottes Wort verehret.

 

Steuerfrei auf ewig

 

Noch bekannter machte sich von Briel dadurch, dass er der Stadt Vlotho nach dem Siebenjährigen Krieg mit 400 Talern leihweise aushalf. Er ließ sich dafür - nicht gerade bescheidenerweise - und dem ihm gehörenden Fährhof  Freiheit von allen Steuern und Lasten „zu ewigen Tagen" einräumen.

 

Mühle gehörte zum Fährhof

 

Verfolgt  man nun weiter die Eigentumsverhältnisse der Mühle, so ergibt sich, dass sie um 1683 Eigentum des Fährhofbesitzers, nämlich des Vogtes Johann Hermann Meyer war. Er hatte im Jahre 1720 an der Weser die erste Schlagde (Anlegestelle) zum Be- und Entladen von Schiffen anlegen lassen. Nur 60 Jahre blieb die Mühle dem Fährhof zugehörig. Dann ging sie zunächst in das Eigentum des Kaufmanns Steinböhmer und einige Jahre danach (1749) in das Eigentum des Kaufmanns Carl Albrecht Delius über.

 

Walk- und Bokemühle

 

Welcher Art nun die erste urkundlich nachgewiesene Mühle war, ergibt sich aus einer Zusammenstellung des Drosten von Vlotho im Jahre 1721 „über die Mühlen des Amtsbezirks Vlotho, zu dem seinerzeit auch die Gemeinde Rehme gehörte". In dieser Registrierung wird die Mühle als Walk- und Bokemühle bezeichnet. Eine Walkmühle diente der Herstellung filziger Stoffe aus Wolle, eine Bokemühle brach (zerkleinerte) den Flachs zur Herstellung von Leinen.

 

Dann Öl- und Graupenmühle

 

Die Walk- und Bokemühle wurde gleich nach dem käuflichen Erwerb durch den Kaufmann Delius in eine Öl- und Graupenmühle verwandelt. Obwohl das Mühlengewerbe in Vlotho seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend einer Blütezeit entgegenging, verkaufte Delius die Mühle 1760 an Otto Heinrich Brandt, den Stammvater der Brandtschen Familie, die hernach über 100 Jahre führend war im Wirtschaftsleben Vlothos. Brandt, der mit der Tochter des hochangesehenen Vorstehers der Vlothoer Schiffergilde, Focke, verheiratet war, heiratete in zweiter Ehe die Tochter des Bürgermeisters Mühlenfeld. Er fand damit Anschluss an die führenden Kaufmannsfamilien Vlothos.

 

Plötzlich jede Menge Mühlen

 

Gemeinsam mit seinem Schwiegervater nutzte er ebenso wie die „pilzartig aus der Erde schießenden" anderen Mühlen die sich bietende Konjunktur. Im Jahre 1780 wurden in Vlotho fünf Öl -und acht Graupenmühlen gezählt, die größtenteils aus den Ostseeprovinzen importierten Leinsamen verarbeiteten. In dieser Zeit wurden von diesen Mühlen insgesamt Jahresumsätze von etwa 35.000 Talern erwirtschaftet. Daran war allein die Brandtsche Mühle mit einem Drittel beteiligt. Als nach gut 100 Jahren die in dritter Generation betriebenen Unternehmen der Familie Brandt (Zuckerfabrik, Brauerei, Ölmühlen) zusammenbrachen, konnte bei dem Konkurs im Jahre 1865 ihr Übergang in fremde Hand noch dadurch verhindert werden, dass die Brüder des Inhabers die Betriebe wieder aufkauften.

 

Neuer Konkurs

 

Aber schon fünf Jahre später (1871) ließ sich auf diese Weise ein neuerlicher Konkurs nicht mehr abwenden. Die Unternehmen wechselten auf dem Verkaufswege die Eigentümer. Am 9. August 1875 ging die Mühle dann für 25.000 Mark, in das Eigentum des Hermann Malz über. Dessen Ehefrau Salomine Malz verkaufte sie am 3. September 1902  für 25.500 Mark, an den Mühlenbesitzer August Wippermann. Er ließ die Mühle unverzüglich weiter ausbauen und zwar als Mehlmühle. Weiter wurde die „Unterste Mühle" abgebrochen und ein neues Wohnhaus entstand.

 

Seit 1902 ist sie Wippermanns Mühle

 

Seit 1902 trägt die Mühle den Namen „Wippermanns Mühle".  Am 25. August 1915 brannte die Mühle gänzlich ab. Das Mühlenhaus und 400 Sack Getreide gingen in Flammen auf. Aber mit glasklarer Entschiedenheit wurde die Mühle ohne Zögern auf den alten Grundmauern aufgebaut und um ein Stockwerk erhöht. Ausgestattet wurde sie mit den neuesten Walzenstühlen und Plansichtern. Mit dem Wiederaufbau wurde das Mühlenrad durch eine Turbine ersetzt. Seitdem ist es das unablässige Bestreben der Inhaber gewesen, die technische Beschaffenheit der Mühle dem Fortschritt mit Erfolg anzupassen.

 

Bis 1937 wurde sie noch von August Wippermann geleitet. Nach dessen Tod war sein Sohn Karl der Nachfolger für die nächsten Jahre.

 

1955 starb Karl Wippermann, der letzte Eigentümer, im Alter von 50 Jahren, unverheiratet. Er war ein angenehmer, überall gern angesehener Mitbürger. Nach seinem frühen Tode wurde der Betrieb stillgelegt (1955). Wenig später „starb" auch die Wippermannsche Mühle, da sie nach „bewährter" Methode rigoros der sogenannten Sanierung der Stadt weichen musste. Im Mai 1976 wurde sie abgerissen.