Auf dem Foto ist im Hintergrund noch der baumbepflanzte Brink gegenüber der Weserstraße (heute Klosterstraße) erkennbar. Noch deutlicher tritt auf der schräg gegenüberliegenden Straßenseite der teilweise den Kirchplatz einfriedigende, hohe, hölzerne Zaun hervor. Er war dazu bestimmt, unerwünschte Besucher fernzuhalten. Absolut nicht zu übersehen ist der einfach in die Straße eingerammte Telegrafenmast. So war der Bereich der mittleren Langen Straße im Jahr 1903.

 

 

 

Fortsetzung:

 

Schon im Jahre 1845 sah sich Wilhelm Zurmühlen veranlasst, in dem rechts vom gastlichen Neubau an der Langen Straße gelegenen Garten einen ebenerdigen Anbau errichten zu lassen, der den Namen „Wintergarten" erhielt. An dem danach vollendeten hochkarätigen und kostenträchtigen Bauwerk „glotzten sich die Vlothoer schier die Augen aus". Diese wohl allgemein als sinngerecht empfundene Bemerkung machte der Zuckerfabrikant F.A. Wüstenfeld bei einer Skatpartie mit Wilhelm Zurmühlen. Im „Wintergarten" verbrachte man die Zeit an drei Billardtischen, auf denen jeweils drei Elfenbeinkugeln nach französischer Methode gestoßen wurden. Das in Rede stehende Bauwerk ist trotz der beinahe 150 Jahre, die es der Zeit abgetrotzt hat, in seinem baulichen Bestandteil nicht verändert worden. Doch halt... Der Balkon, der die Vorderfront zierte, wurde entfernt. Aber zum Glück ist mit ihm nicht auch ein hochinteressanter Teil der Stadtgeschichte, die er „geschrieben" hat, zugrunde gegangen.

 

Das imposante Hotel-Bauwerk schuf der Bauunternehmer Wilhelm Krieger, Urururgroßvater des Dipl.-Ing. und Architekten Gerhard Wilhelm Krieger (Paterberg Nr. 16).

 

Nach guter geschäftlicher Entwicklung verkaufte Wilhelm Zurmühlen sein Anwesen und zwar kurz vor Ablauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Käufer und damit neuer Eigentümer war Karl Schmidt. Er hatte noch drei Brüder: Gustav (auch Thoß-Schmidt genannt), der ein Kolonialwarengeschäft betrieb, und die Brüder Rudolf und Fritz, die Vorgänger der Bäckerei und Konditorei Sturhann. Emmi Schmidt (Bergstraße Nr. 13), Tochter von Fritz Schmidt, die ungeachtet ihres hohen Alters von über 80 Jahren geistig und körperlich noch ungewöhnlich wendig ist, sind die fotografischen Abbildungen zu verdanken.

 

Bevor Karl Schmidt verstarb, verkaufte er nach dem I. Weltkrieg den Hotelkomplex an die 1911 gegründete Gewerbebank (später Volksbank), die im „Wintergarten" ihren Geschäftsbetrieb einrichtete. Sie verpachtete den Hotelbetrieb an Heinrich Edler, einem Bruder des Eigentümers von „Hotel Delkeskamp" an der Weserstraße (Lütke). Danach pachtete Bernhard Bombeck das Hotel. Es hatte inzwischen seinen Namen gewechselt. Aus dem „Hotel Schmidt" war das „Hotel Stadt Vlotho" geworden. Die Volksbank schließlich verkaufte ihr komplexes Eigentum an die Geschwister Barbara Meyer zu Farwick-Märker und Franz-Martin Meyer zu Farwick. Danach ging das Doppelhaus bestehend aus Lange Straße Nr. 121 und Burgstraße Nr. 1 in den Besitz von Wolfgang und Hendrik Märker über. Im Sommer 2011 wurde dieser Komplex an Reinhard Meier aus Rahden verkauft.