Das linke Foto zeigt das Haus Nr. 111 vor 1905, als der Brink noch vorhanden war. Auf dem rechten Foto ist der heutige Neubau "Haus Lange Straße Nr. 111" abgebildet, dieser entstand 1980. Daneben "Haus Knöner" Lange Straße Nr. 109. Foto: 2009.

 

 

 

Geschichte des Hauses Lange Straße Nr. 111

 

Die Häuser auf dem Brink wechselten von 1686 bis 1740 oft den Eigentümer. Auf das Haus Nr. 111 traf das jedoch nicht zu. 1740 wohnte in diesem Haus Arnold Sandmann, ein Enkel von Henrich Sandmann. 1761 wechselte es aber doch den Eigentümer mit dem Namen Wilhelm Krückmeyer. Um 1800 war das Haus schon jüdisches Eigentum, nämlich des Handelsjuden Isaac. Als die Juden im Jahre 1808 auf Anordnung der Westfälischen Regierung unter dem französischen König Jérome sich grundsätzlich Familiennamen zulegen mussten, nannte er sich Mendel oder Mendelsohn. Er musste wohl um diese Zeit gestorben sein, denn in das neu eingerichtete Grundbuch beim Gericht in Vlotho wurde im Jahre 1818 der Handelsmann Aaron Mendelsohn als Eigentümer eingetragen. Er hatte das Haus bereits am 6.2.1809 nach einer Erbauseinandersetzung mit seinen Geschwistern Jacob Mendelsohn und Bela Mendel erhalten.

Am 21.2.1832 erwarb Moses Rüdenberg das Haus Nr. 111 für l.000 Taler (heute 1.500 Euro). Es ging dann auf seinen Sohn Marcus über. Bei ihm wohnte auch der jüdische Arzt Dr. Rinteln, der von 1842 bis 1854 in Vlotho praktizierte. Im Anschluss daran verzog er nach Bad Oeynhausen und ließ sich dort als Badearzt nieder. Ob seiner Verdienste als Arzt und immer hilfsbereiter Mensch wurde ihm der „Rote Adlerorden I. Klasse“, eine Auszeichnung, die aus vier Klassen bestand, verliehen.. Auf dem jüdischen Friedhof an der Wasserstraße in Vlotho zeugt von ihm noch eine Grabstelle.

Dem Vater Marcus Rüdenberg folgte der Sohn Louis als Eigentümer des Hauses 111. Er vermittelte es im Jahre 1896 für eine Jahresmiete von 220 Mark an den Schuhmachermeister Heinrich Luke, der es schließlich mit einem dazugehörigen Garten und mit den drei Kastanienbäumen vor dem Haus für 6.500 Mark erwarb. Die unverheiratete Tochter und Erbin des väterlichen Hauses, Aenne Lüke, verkaufte es dem Friseurmeister Meise auf Rentenbasis. Das von Geschichte so umwitterte Haus musste im Jahr 1980 einem Neubau weichen, der derzeit vom Informations – Büro „Vlotho Marketing GmbH“ genutzt wird.

 

 

 

In der Mitte "Haus Lange Straße Nr. 111" kurz vor dem Abriss. Foto: April 1980.