Fortsetzung:

 

Haus Malz.

 

Das so genannte ..Patrizierhaus Malz" wurde 1684 in Vlotho auf dem "Ziegelkamp" erbaut, der bis zur Reformation dem Kloster Segenstal gehörte und danach zur allgemeinen Bebauung frei gegeben wurde. Er erhielt seinen Namen von dem Lehmstich dort, der zu Ziegeln verarbeitet wurde. Das Haus Malz trug daher früher die Bezeichnung „Auf dem Kampe Nr. 170". Das Gefälle in den Gossen zwischen den Häusern weist auf die Stufe des Lehmstichs hin.

 

Vom Typ her ist das Haus ein giebelständiges niederdeutsches Hallenhaus in Vierständerbauweise mit niedersächsischem Fachwerk. Verbaut wurde ein Eichenwald von 1 ha. Es ähnelt zwar einem in dieser Gegend üblichen Bauernhaus, ist jedoch nie ein solches gewesen. Von seiner Funktion her ist es ein reines Kaufmannshaus mit patrizischen Merkmalen. Dafür sprechen der noch funktionierende Aufzug mit dem vorspringenden Aufzugsbalken, die beiden großen Lagerböden (für Getreide, Zucker, Kaffee, Tee, Salz, Steingut, Haushaltswaren, Farben), und das große Einfahrtstor, durch das man mit dem Wagen auf die Diele fahren konnte. Das Haus, ist hufeisenförmig unterkellert. Dort wurde früher Wein, Essig, Petroleum und Öl (Leinöl) gelagert.

Das Aussehen des Hauses ist geprägt durch die klare Gliederung seines Fachwerks mit Stilmerkmalen der Renaissance.

.

Hier ist das Haus noch verputzt.

Foto: Oktober 1926. Der Putz

wurde 1927 entfernt.

.

Die Betonung der Waagerechten durch die mit geschnitzten Sprüchen frommen Inhalts (700 Buchstaben) und die darunter an den Füllbalken verlaufenden 2 Reihen mit buntem Zahnschnittschmuck ist auffällig. Merkmale der Renaissance sind auch die „Utlucht". d.h. der bis zum Erdboden reichende Erker, die als vergoldete Sonnen gestalteten Vollrosetten in den beiden Giebeldreiecken und im Inneren die dreiseitig umlaufende Galerie. Auch die 2 Fensterbänder im Erdgeschoß und im 1. Stock mit den vielen kleinen Scheiben (über 1000 im ganzen Haus) betonen Waagerechte und tragen unbewusst für den Beschauer zur Harmonie der Fassade bei. Die kräftige, rot-bunt bemalte, barockartige Haustür, die 4-flügelig   geöffnet werden konnte, der strahlengegliederte Halbbogen darüber, mit Scheiben besetzt, zieht die Augen der Passanten an, wie auch die 1,5 m hohe

Haus Malz, nach der Renovierung.

Foto: um 1950

vergoldete Wetterfahne auf dem Giebel. Gesamthöhe des Hauses 15 m, Gesamtlänge 23,30m, Breite 12,30m 243 qm Grundfläche, (davon Diele mit kl. Flur hinten fast 70 qm), Rauminhalt des Hauses 2525 cbm.

 

Die Inschriften des Hauses zur Langen Straße (von oben nach unten):

 

1) „EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE"

 

2) „1684 AN GOTT NICHT VERZAG, GLÜCK KOMMT ALL TAG 1992" (letzter Farbanstrich)

 

3) „WIRF DEIN ANLIEGEN AUF DEN HERRN, DER WIRD  DICH WOLL VERSORGEN BEFIEHL DEM HERRN DEINE WERKE SO WERDEN     DEINE ANSCHLÄGE WOLL GELINGEN AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN

 

4) WER GOTT VERTRAUT HAT WOLL GEBAUT IM HIMMEL UND AUF ERDEN WER SICH VERLÄSST AUF JESUM CHRIST DEM MUSS DER HIMMEL WERDEN AUF GOTT UND DAS GLÜCK HOFF ICH ALL AUGENBLICK

 

Am Torbogen:

 

BEFIEHL DEM HERRN DEINE WEGE  ER  WIRD'S WOLL MACHEN DEN EINGANG UND DEN AUSGANG MEIN LASS DIR O GOTT BEFOHLEN SEIN OTTO HENRICH SCHURMANN ELISABETH WADDENBERGH MFF ANNO 1684 MENSE OCTOBRI OHS EW M. HENRICH HELLE MF

 

Am Erker:

 

1) DIE WELT IST VOLL BETRÜGEREY DRUM WAS DU THUST FÜRSICHTIG SEI THU NIEMAND LEID UND SIEH DOCH ZU DASS DIR AUCH NIEMAND SCHADEN THU

 

2) GÖNN JEDEM WAS DER HÖCHST IHM GIBT GOTT THEILTS AUS WIES IHM BELIEBT DOCH DER AUCH GOTT ZU DANCKEN HAT WER KLEIDUNG KRIEGT UND ISST SICH SATT

 

 

 

   Der Torbogen mit Inschrift.

 

Gläser aus der Malzschen Gastwirtschaft (ab ca. 1820), die bis 1920 bestand. Die Gaststube lag im hinteren Teil des Hauses und wurde dann zur Arztpraxis umgestaltet. Die in den oberen Fächern stehenden Gläser sind etwa 120 Jahre alt. Sie sind sehr spröde und zerspringen beim Eintauchen in lauwarmes Wasser „wie Glas".