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Auch die Keller konnten durch den Aufzug
beschickt werden. Die Klappe dazu (etwa 130 cm breit, 150 cm lang)
befand sich bis 1930 auf der rechten Dielenseite, wo als Andenken daran
die Krecke zum Festhalten der Luke noch zu sehen ist.
Abschürfungen an der Galeriekante
zeigen, wo das Lastseil gescheuert hat. Um die Kellerklappe leichter
heben zu können, war ein Gegenzug installiert. Die Oese und eine Kerbe
in der Holzleiste darunter weisen daraufhin.
In den rechten Kellerräumen wurde Öl
(Leinöl), Essig, Wein u. ä. gelagert. Dort ist heute die Zentralheizung
u.a. untergebracht. Das ganze Haus ist hufeisenförmig unter den Zimmern
unterkellert, die Diele selbst nicht, so dass die beladenen Wagen
unbedenklich einfahren konnten. An dem starken Eisenhaken an einem
Balken der Decke (jetzt Dielenlampe) hing früher die Waage, womit die
Handelsgüter gewogen werden konnten.
Damit der Kaufmann den Warenumschlag und
alle / Tätigkeiten auf der Diele beobachten und überwachen konnte, sind
in einige Türen ovale Scheiben eingesetzt, bzw Fenster zur Diele hin.
Ein besonderes Merkmal des
Patrizierhauses, wie die Renaissance sie bevorzugte, ist die dreiseitig
umlaufende Galerie. Sie ist seitlich an je 2 Eisenstangen aufgehängt und
bildet den Zugang zu den Zimmern im oberen Stockwerk. Links und rechts
ruhen die Handläufe auf schlichten Profilbrettern, während hinten die
Schauseite durch Bretter mit geschwungenen Formen
hervorgehoben ist. In gleicher Weise ist
das Geländer der Treppe im Hintergrund geformt und fällt besonders ins
Auge.
Der braune, geflammte Anstrich auf den
Türen und den Holzteilen an den Wänden ist ein so genannter
„Bieranstrich", der 1964 zuletzt erneuert worden ist. Auf einer helleren
Grundfarbe wurde mit einem Pinsel Dunkelbier aufgetragen und dann
geklopft. In Kirchenbänken aus dem vorigen Jahrhundert findet man noch
öfter diese Art des Anstrichs, die heutzutage kaum noch ein Malermeister
beherrscht.
Die Tür zum Erkerzimmer vorn, dem
„Salon", ist durch ein geschwungenes Fenster betont. Dahinter zeigt eine
prächtige Schauwand mit Glastüren in ähnlicher Ausformung über die ganze
Breite des Zimmers den Wohlstand des Kaufherrn. Er konnte früher durch
das schmale Fenster neben der Tür die Diele übersehen. Es enthält jetzt
Gegenstände zur Erinnerung an die frühere Gaststube an der Hinterseite
des Hauses, Raum 5a, 5b und 6. Die Diele, Umschlagsplatz für Waren bis
1900, war zu allen Zeiten gleichzeitig Flur, d.h. für die Bewohner der
Zugang zu allen Räumen. Bis 1919 mussten auch die Kunden für den Laden
und die Gastwirtschaft über die Diele gehen, bzw. von 1919 bis 1982 auch
die Patienten für die Arztpraxis. Ab 1919 wurde die Halle in der Mitte
durch eine Sitzgruppe mit Möbeln aus Worpswede (Werkstatt Vogeler)
wohnlicher gestaltet und im Sommer zusätzlich als Essplatz genutzt.
Wegen der unwohnlichen Temperaturen im Winter, 5-10 Grad, wurde 1965 ein
Heizkörper auf der Diele hinter der Sitzgruppe installiert (nun 15
Grad).
Vlotho, im Sept. 2000.
Scheffelmaß (aus dem Haus Malz)
Das Scheffelmaß war ein altes Ackermaß
und zeigte an, wie viel Fläche man damit einsäen konnte: 12 - 42 a, nach
Landschaften verschieden. In Lippe war 1 Scheffelsaat 2/3 Morgen, im
Schaumburgischen 1/3 Morgen. Im Allgemeinen rechnet man l Morgen = 25 Ar
= 2500 qm.
Mit dem Scheffelmaß konnte man rund
einen halben Morgen einsäen. Dieses Maß aus dem vorigen Jahrhundert war
geeicht vom Eichamt Herford (EAH), bzw. vom Eichamt Minden (EAM) und
zeigt zweimal eingebrannt den preußischen Adler.
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