Die Diele mit einer Größe von 12,75 x 5 Meter und einer Höhe von 5,40 m.

 

 

 

Haus Malz, die Diele.

 

Der Hauptraum des Kaufmannshauses, das 1684 erbaut wurde und seither kaum verändert worden ist, war die Halle in der Mitte des Hauses. Hier wurden die Waren eingefahren und wieder ausgegeben. Die Registrierung erfolgte in dem durch 2 Stufen etwas erhöhten Raum links (12), der bis 1919 als „Comptoir" diente. Durch ein Fenster in der Zimmerwand konnte der Raum davor, der „Laden" (13), übersehen werden. Hier wurden bis 1919 „Colonialwaren en detail" verkauft. Der Verkauf an Kunden erfolgte von der Diele aus über heruntergeklappte Läden. Abends wurden die Klappen hochgeschlossen, dann „war der Laden zu"! d.h. das Geschäft war geschlossen. Bei Aufgabe des Ladens 1919 wurde dieser im vorderen Teil zur Diele hin nach dem Vorbild aus einem Danziger Patrizierhaus erweitert, um den sonst schmalen Raum als Wohnzimmer nutzen zu können.

 

Auf die Diele mit einer Größe von 12,75 x 5 Meter und einer Höhe von 5,40 m konnten beladene Pferdewagen fahren. Die Pferde standen fast unter der Galerie, während die Wagen ziemlich genau unter der Luke des Aufzugs zu stehen kamen. Die Handelsgüter, (Leinenstoffe,

 

Farben, Keramik und andere Haushaltswaren, auch Getreide u. a.), konnten auf die beiden Lagerböden entweder von der Straße über den vorkragenden Aufzugsbalken oder von der Diele nach oben durch eine Luke befördert werden. Der Aufzug ist heute noch funktionstüchtig und muss beim Transport von Möbeln zum Boden benutzt werden, da die Bodentreppe zu schmal ist. Der Durchmesser des Aufzugrades, das mit einem Handseil bewegt wird, beträgt 2,40 m. Es sitzt auf einer Welle von 30 cm Durchmesser, auf das ein Lastseil aufgerollt ist, so dass

Der Aufzug reichte einst, vom Keller bis zum Boden.

eine Umsetzung von 1:8 gegeben ist.

Ein Sack Korn mit einem Gewicht von l Zentner konnte so mit einer Umsetzung von 6,25 Kg leicht nach oben befördert werden. Um die Last um l Meter anzuheben, mussten aber 8 Meter des Handseils bewegt werden! Das sichtbare Handseil unter der Dielendecke wird bei Benutzung bis unten auf die Diele herabgelassen und kann von dort gezogen werden.

Auch die Keller konnten durch den Aufzug beschickt werden. Die Klappe dazu (etwa 130 cm breit, 150 cm lang) befand sich bis 1930 auf der rechten Dielenseite, wo als Andenken daran die Krecke zum Festhalten der Luke noch zu sehen ist.

 

Abschürfungen an der Galeriekante zeigen, wo das Lastseil gescheuert hat. Um die Kellerklappe leichter heben zu können, war ein Gegenzug installiert. Die Oese und eine Kerbe in der Holzleiste darunter weisen daraufhin.

 

In den rechten Kellerräumen wurde Öl (Leinöl), Essig, Wein u. ä. gelagert. Dort ist heute die Zentralheizung u.a. untergebracht. Das ganze Haus ist hufeisenförmig unter den Zimmern unterkellert, die Diele selbst nicht, so dass die beladenen Wagen unbedenklich einfahren konnten. An dem starken Eisenhaken an einem Balken der Decke (jetzt Dielenlampe) hing früher die Waage, womit die Handelsgüter gewogen werden konnten.

 

Damit der Kaufmann den Warenumschlag und alle / Tätigkeiten auf der Diele beobachten und überwachen konnte, sind in einige Türen ovale Scheiben eingesetzt, bzw Fenster zur Diele hin.

Ein besonderes Merkmal des Patrizierhauses, wie die Renaissance sie bevorzugte, ist die dreiseitig umlaufende Galerie. Sie ist seitlich an je 2 Eisenstangen aufgehängt und bildet den Zugang zu den Zimmern im oberen Stockwerk. Links und rechts ruhen die Handläufe auf schlichten Profilbrettern, während hinten die Schauseite durch Bretter mit geschwungenen Formen

hervorgehoben ist. In gleicher Weise ist das Geländer der Treppe im Hintergrund geformt und fällt besonders ins Auge.

 

Der braune, geflammte Anstrich auf den Türen und den Holzteilen an den Wänden ist ein so genannter „Bieranstrich", der 1964 zuletzt erneuert worden ist. Auf einer helleren Grundfarbe wurde mit einem Pinsel Dunkelbier aufgetragen und dann geklopft. In Kirchenbänken aus dem vorigen Jahrhundert findet man noch öfter diese Art des Anstrichs, die heutzutage kaum noch ein Malermeister beherrscht.

 

Die Tür zum Erkerzimmer vorn, dem „Salon", ist durch ein geschwungenes Fenster betont. Dahinter zeigt eine prächtige Schauwand mit Glastüren in ähnlicher Ausformung über die ganze Breite des Zimmers den Wohlstand des Kaufherrn. Er konnte früher durch das schmale Fenster neben der Tür die Diele übersehen. Es enthält jetzt Gegenstände zur Erinnerung an die frühere Gaststube an der Hinterseite des Hauses, Raum 5a, 5b und 6. Die Diele, Umschlagsplatz für Waren bis 1900, war zu allen Zeiten gleichzeitig Flur, d.h. für die Bewohner der Zugang zu allen Räumen. Bis 1919 mussten auch die Kunden für den Laden und die Gastwirtschaft über die Diele gehen, bzw. von 1919 bis 1982 auch die Patienten für die Arztpraxis. Ab 1919 wurde die Halle in der Mitte durch eine Sitzgruppe mit Möbeln aus Worpswede (Werkstatt Vogeler) wohnlicher gestaltet und im Sommer zusätzlich als Essplatz genutzt. Wegen der unwohnlichen Temperaturen im Winter, 5-10 Grad, wurde 1965 ein Heizkörper auf der Diele hinter der Sitzgruppe installiert (nun 15 Grad).

 

Vlotho, im Sept. 2000.

Scheffelmaß (aus dem Haus Malz)

Das Scheffelmaß war ein altes Ackermaß und zeigte an, wie viel Fläche man damit einsäen konnte: 12 - 42 a, nach Landschaften verschieden. In Lippe war 1 Scheffelsaat 2/3 Morgen, im Schaumburgischen 1/3 Morgen. Im Allgemeinen rechnet man l Morgen = 25 Ar = 2500 qm.

Mit dem Scheffelmaß konnte man rund einen halben Morgen einsäen. Dieses Maß aus dem vorigen Jahrhundert war geeicht vom Eichamt Herford (EAH), bzw. vom Eichamt Minden (EAM) und zeigt zweimal eingebrannt den preußischen Adler.

 

 

 

Ab 1919 wurde die Halle in der Mitte durch eine Sitzgruppe mit Möbeln aus Worpswede (Werkstatt Vogeler) wohnlicher gestaltet und im Sommer zusätzlich als Essplatz genutzt. Wegen der unwohnlichen Temperaturen im Winter, 5-10 Grad, wurde 1965 ein Heizkörper auf der Diele hinter der Sitzgruppe installiert (nun 15 Grad).

 

 

Erinnerungen an der Dielenwand - Bürgermeister Dr. P. Schildwächter.

ca. 19 x 14 cm