Aus der Geschichte des Hauses Hampe.

 

Wertvolle Beiträge zur Geschichte des Hauses Hampe brachten die im Jahre 1952 bei der Erneuerung freigelegten Inschriften, die bisher durch den Verputz verdeckt worden waren. Sie bildet zugleich eine erfreuliche Ergänzung zur Siedlungegeschichte der Stadt Vlotho, die in manchen Fällen noch in ein erhebliches Dunkel gehüllt ist.

Bas mittelalterliche Vlotho umfasste bis 1600 nur die Lange Straße mit den dazu gehörigen Nebenstraßen bis zur heutigen Weserstraße, die damals noch Brückenstraße hieß. Das Gebiet zwischen Weserstraße und Kirchplatz gehörte einem adligen Hof und war durch eine Mauer von dem ehemaligen Klostergebiet abgetrennt. Besitzer dieses Hofes war die Familie von Landsberg, deren Vlothoer Ahnherr von 1566 - 1593 Bertram von Landsberg Drost oder Amtmann von Vlotho war. Er liegt in der St.-Stephans-Kirche begraben, wo auch sein Grabstein noch zu sehen ist, der ihn in voller Ritterrüstung darstellt. Seine Nachkommen, die als Zöllner tätig waren, haben den Hof um 1670 zu Bauplätzen aufgeteilt und verkauft.

 

Denn nach dem Dreißigjährigen Kriege setzte in Vlotho, das 1550 nur 46 Bürgerhäuser zählte, eine rege Bausättigkeit ein, so dass die Zahl der Häuser 1686 220 betrug. Es entstanden drei ganz neue Stadtteile. Auf dem früher zum Kloster gehörigen Ziegelkamp zwischen der Winterberg - und Wasserstraße bauten die Kaufleute und Schiffsherren ihre großen Häuser, von deren Reichtum und Schönheit heute noch das Haus von Dr. Malz zeugt. Auf dem Ölbrink, der seinen Namen nach der dort befindlichen alten Ölmühle bekommen hat, bauten

 

Geschäftshaus Hampe 1961.

sich die Handwerker und Arbeiter ihre kleinen Häuschen. Am günstig gelegenen Marktplatz an der Abzweigung der Weserstraße entstand u. a. auch das Hampesche Haus im Jahre 1672, während gegenüber das Haus von Sitte schon 20 Jahre vorher erbaut worden war.

 

Die Inschrift am Hause hat nur das Jahr der ersten Erbauung, aber nicht den Bauherrn überliefert. Das aus dem Jahre 1686 stammende Kataster der Stadt Vlotho beginnt mit der Nummerierung der Häuser auf dem Rahbruch, während die im 18. Jahrhundert eingeführten Hausnummern, bei der das Hampesche Haue die Nummer 148 bekam, am andern Ende der Stadt beim Oberge begann. Es läßt sich daher, da die Namen inzwischen stark gewechselt hatten, der Erbauer nicht feststellen.

 

 

 

Ernst Hampe sen.

* 1886   † 1964

 

Ernst Hampe jun.

* 1916   † 2007

 

Nach einer Akte im Kirchenarchiv war im Jahre 1700 Jobst Hinrich Schweppe der Besitzer der Häuser 148 und 150, das an den Kirchplatz angrenzt. Die Familie Schweppe, die später in drei anderen Häusern wohnte, war jedenfalls 1686 noch nicht am Markte ansässig. Im Archiv zu Münster befindet sich das Siegel dieser Familien. Es zeigt einen Mann mit einer Peitsche, denn der Name Schweppe bedeutet Peitsche.

Auf dem Siegel von Jobst Hinrich Schweppe befinden sich die Buchstaben JH und SP. 1700 verkaufte Jobst Hinrich Schweppe das Haus Nr.150 an Jürgen Schweppe, der über dem Mann mit der Peitsche sogar eine Krone im Siegel führt.

Am 2. September 1732 brannten beide Häuser ab, da Vlotho die von der Regierung im Jahre 1723 angebotene Feuerspritze abgelehnt hatte. Bürgermeister und Rat waren damals der Ansicht die 136 Taler dafür könnten sie sparen. - Jeder Einwohner hätte einen ledernen Eimer im Hause, auf dem Rathaus seien auch noch welche. Tüchtige Leitern und Haken seien auch da, und an Wasser fehlt es auch nicht. -  Nach dem Brande dachte man aber anders, und die Schiffergilde schenkte der Stadt die erste Feuerspritze

Jobst Hinrich Schweppe, der damals schon Witwer war, ließ das Haus im nächsten Jahre wieder aufbauen. Am 18.7.1733 wurde es gerichtet. Zimmermeister war Johann Tönnies Carges, der auf Anordnung des Bauherrn folgende Inschriften auf den 3 mittleren Ständern und dem Querbalken darunter anbrachte:

1

ERSTE ERBAUUNG ANNO 1732

2

BETE UND ARBEITE

3

DER SEEGEN DES HERRN MACHT REICH OHNE MÜHE

4

1732 DEN 12 SEPTEMB IST DIESES HAUS ABGEBRANDT UND IST IM NAHMEN GOTTES 1733 DEN 18 JULIUS AUFGEBAUET

5

DER HER BEHÜTTE DEINE SELE DER HER BEHÜTTE DEINEN AUSGANG UND EINGANG VON NUN AN BIS IN EWIGKEIT

 

Es folgt eine Zeile die nicht lesbar ist, da sie größtenteils vom Fensterrahmen überdeckt ist.

6

AUF DICH HER TRAU ICH AUF DICH BAU ICH HER MEIN GOTT VERLAS MICH NICHT

7

WITTWER  JOBST  HENRICH SCHWEPE

8

MEISTER JOHAN TONS CARGES

 

Der Rest eines Torbogens zeigt, dass auch das Hampesche Haus früher eine große Dieleneinfahrt hatte, die dann später beim Umbau zum Geschäftshaus durch eine schmalere Tür ersetzt wurde.

Wie lange Jobst Hinrich Schweppe im Hause gewohnt hat, ist noch nicht bekannt. Um 1745 wohnte der damalige Stadtförster und Kommandeur der Vlothoer Bürgerwehr, der Wachtmeister Sundermann , darin. Ihm folgte die Schifferfamilie Nolting in zwei Generationen. Erworben wurde das Haus durch Justus Garlach Nolting, der im Jahre 1792 im Alter von 66 Jahren starb. Sein Sohn Justus Friedrich, der seine beiden Frauen aus den Schifferfamilien Focke und Busse geholt hatte, geriet 1812 in Konkurs, da infolge der französischen Besetzung und der durch Napoleon verhängten Kontinentalsperre gegen England die Weserschifffahrt völlig zum Erliegen gekommen war.

Bei der Zwangsversteigerung erwarb der Kaufmann August Philipp Lindemann die ganze Besitzung. Zu ihr gehörten außer dem eigentlichen Wohnhaus noch das Hinterhaus und eine Stallung und an Land ein Obstgarten im Garze am Vogelbaum und der Berkenstein, ein Acker oberhalb der Heiligen Seele, der vier Scheffelsaat umfasste. Der Kaufpreis betrug 1.500 Taler, von denen 1.166 Taler in Gold bezahlt werden mussten.

 

Das Haus blieb nun wieder längere Zeit in Familienbesitz. Denn als Lindemann starb, heiratete seine Witwe Henriette Justine, geb. Rauschenbusch, den Kaufmann Carl Armbster, der 1828 als Mitbesitzer eingetragen wurde. Durch sein Testament vermachte er 1846 die Besitzung seinem Sohne Carl, der es wieder an seine Söhne Carl und Paul vererbte. Diese waren auch Besitzer des Hauses Nr. 140 in der Weserstraße unmittelbar am Forellenbach, wo der Vorbesitzer Carl Meyer um 1800 eine Essigfabrik betrieben hatte.1892 erwarb der Kaufmann Wilhelm Bröcker das Haus Nr.148, welches er dann später an den heutigen Besitzer Ernst Hampe, geb. 1886, veräußerte. Die Erneuerung des Hauses im Jahre 1952 wurde von ihm benutzt, eine

 

Eine Anzeige im Vlothoer "Anzeige-Blatt"

am 19. Oktober 1895.

weitere Inschrift auf einem der langen Querbalken anbringen zu lassen, die darauf hinweist, dass von ihm und seiner Frau das alte Fachwerkhaus erneuert worden ist.

Damit hat er sich und seiner Frau für die nachkommenden Geschlechter ein wohlverdientes Denkmal gesetzt und auch bei allen Heimatfreunden die größte Anerkennung gefunden. Denn mit seiner künstlerischen Farbengebung bedeutet das Haus heute einen wertvollen Zuwachs für die Vlothoer Sehenswürdigkeiten, an denen die Altstadt von Vlotho infolge des Unverständnisses mancher Bewohner im Laufe der Zeit immer ärmer geworden ist.

1965 übernahm sein Sohn Ernst Hampe jun., geb. 1916 die alleinige Führung des Geschäftes und führte es bis zur Schließung im Jahr 1973 weiter.

 

Dr.Großmann - Originalseiten sind im privaten Besitz.