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Schritt für Schritt wurde mir
klar, dass diese Haltung nichts zustande brachte. Mir dämmerte
es: wenn ich mich dem Hass ergab, musste ich auch anerkennen,
dass der Terrorismus sich tatsächlich durchgesetzt, sein Endziel
erreicht und damit gewonnen hätte.
Doch ich war noch am Leben, das
Schicksal von Millionen war mir erspart geblieben. Ich konnte
mein Gesicht wieder dort zeigen, wo es einst verbannt gewesen
war, ich hatte das Recht dazu.
So sind wir schließlich dem Ruf
aus meiner Stadt gefolgt und haben das „Schtetl"* besucht.
Als freier Mann fühlte ich mich
wieder. So konnte ich wieder
- durch die Straßen gehen und die
Berge hinaufsteigen,
- die vertrauten Wände des
Heimathauses berühren,
- im Gemeindehaus der Kirche über
die Freuden einer normalen Kindheit
nachdenken und davon berichten,
sie der Hölle gegenüberstellen, die danach folgte,
- einen neuen Stadtrat an die
Taten des alten erinnern,
- überall als stolzer Jude
eintreten,
- bei alten Freunden verweilen,
die Tränen vergießen über das Vergangene,
- von Fremden auf der Straße
angesprochen werden, die ihren Mangel an Mut bekennen, weil sie
nicht eingegriffen und gequälten Menschen geholfen haben,
- jüngeren Leuten die Hand
schütteln, die im allgemeinen begierig sind, von uns wenigen die
Tatsachen der größten menschlichen Unmenschlichkeit gegen den
Menschen zu erfahren.
Glauben Sie mir, das kann eine
lohnende und oft ermutigende Erfahrung sein. . .
Hans Loeb
* Ein Schtetl (jiddisch שטעטל,
schtetl; Plural שטעטלעך, schtetlech; deutsch „Städtlein“) ist
die Bezeichnung für Siedlungen mit hohem jüdischem
Bevölkerungsanteil im Siedlungsbereich der Juden.
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