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Er verkaufte im Jahre 1935 den
Besitz an den Kaufmann Rudolf Brand für 20.000 RM und siedelte nach dem
Hause Mühlenstraße 5 über und baute sich dort im Garten ein kleines
Wohnhaus, wo er seinen Lebensabend verbringen wollte. Aber mit vielen
anderen Glaubensgenossen wurde er 1942 in ein Lager verschleppt und ist
dort umgekommen. Nach dem Tode von Rudolf Brand wurden sein Sohn
Friedbert Brand und seine Ehefrau Gerda
geb. Skroblin als Erben Eigentümer der
Imobilie. Im Zuge der Stadtsanierung um ca. 1980 ging das Haus in den
Besitz der Stadtsparkasse Vlotho über.
Am 1.Mai 1988 ging das Haus in den Besitz
der Eheleute Elvira und Horst Pollok über. Nach einigen Umbauten wurde
am 6.11.1988 das Fernsehgeschäft POLLOK von der Herforder Straße
10 zur Lange Straße 72 verlegt. Im Zuge der Erbfolge wird das Haus an
den gemeinsamen Sohn Uwe Pollok gehen.
Baugeschichte
Von der ursprünglichen
Beschaffenheit des Hauses ist, abgesehen von den Außenwänden, nicht mehr
viel zu erkennen. Daß das Balkenwerk mit den Inschriften noch erhalten
geblieben ist, ist in erster Linie dem Verputz zu verdanken, mit dem vor
100 oder 150 Jahren fast alle Fachwerkhäuser in der Lange Straße
versehen worden sind.
Inzwischen
sind manche Häuserfronten frei gelegt worden und bilden in ihrem bunten
Anstrich eine Zierde von Alt-Vlotho. Beim Hause Pollok erfolgte dieses
im Jahre 1935. Dabei
stellte sich heraus, daß die Ausfüllung
des Fachwerks durch Ziegelsteine erfolgt war, die in verschiedenster
Weise angeordnet sind.
Bedauerlicherweise ist die große Einfahrtstür nicht mehr erhalten, sondern zugunsten des
Ladens durch eine kleine Tür ersetzt worden. Sie führte, ähnlich wie im
Hause Malz, auf eine große mit Steinplatten belegte Diele. Dabei ist
auch der oberste Türbalken, der außer den Namen der Erbauer auch noch
ein in Vlotho recht seltenes Schnitzwerk mit Weintrauben und Reblaub
trug, das sich auch auf den Seitenständern befand, verkürzt worden. Das
gleiche Schnitzwerk auf den Konsolen des Erkers ist dagegen neu. Der
untere Teil des Erkers mußte
auch dem Laden weichen.
Außer den
noch gut erhaltenen Inschriften auf den Querbalken befindet sich im
Giebeldreieck das Zunftwappen der Bäcker. Ob im Hause ein Bäcker gewohnt
hat, hat sich nicht ermitteln lassen. Vielleicht hat aber der frühere
große Kamin an der Rückseite des Hauses dazu gehört. Ob der bei
Bauarbeiten festgestellte Steinring das Fundament dieses Kamins bildete
oder aber zu einem Brunnen
gehörte, läßt sich nicht
feststellen.
Aus Karten
von 1796 und 1865 ergibt sich, daß das Haus auf beiden Seiten keine
unmittelbaren Nachbarn hatte. Es zeigt sich zugleich, daß schon vor 1865
eine Erweiterung des Hauses an der Westseite erfolgte, vielleicht durch
den damaligen Besitzer Kaufmann Meyer.
Das wurde anders, als Adolph Steinberg im Jahre 1875 eine Schlachterei einrichtete. Im
Garten hinter dem Hause entstanden drei neue Gebäude: ein Schlachthaus,
ein Stall für Pferde und Kühe und ein Eiskeller. Sein Sohn Louis gab die
Schlachterei auf und setzte an die Stelle des Schlachthauses 1906 eine
dreistöckige kleine Zigarrenfabrik.
Zwanzig Jahre
später entstand an der Ecke zur Mühlenstraße ein Verkaufspavillon, der
von Steinberg für den Verkauf von Blumen gedacht war. Es wurden jedoch
später Zigarren hier verkauft. Den ersten Stock des Hauses hatte Louis
Steinberg, der Agenturen betrieb, an Frieda Nenstiel vermietet, die ein
Wäschegeschäft hatte.
1934 wurde
hinten am Hause eine Waschküche gebaut.
1935 ließ
der neue Besitzer Rudolf Brand vor allem die unteren Räume zu Läden
ausbauen, von denen ein Teil bis 1961 an Frau Minna Arnold vermietet
wurde, die darin ein Lebensmittelgeschäft führte. Seine Räume wurden
1961 zum Laden hinzugenommen und zugleich eine neue Schaufensteranlage
geschaffen. 1968 wurde der Laden durch Zumietung des Ladens im Hause
Eversmeier (Nr. 74), der frei geworden war, erweitert.
Eine größere
Veränderung ergab sich im Jahre 1954. Die Zigarrenfabrik wurde
abgebrochen und unmittelbar an das Wohnhaus ein Lagerhaus angebaut. Kurz
vorher war auch an Stelle des Eiskellers eine Garage getreten.
Zur Mühlenstraße hin, wo die ehemalige Mauer abgebrochen war, wurden neue
Ausstellungflächen geschaffen. Es waren zuerst nur Schaukästen und
neuerdings daneben noch ein Schaufenster.
1988
wurde der Laden umgebaut und neu gestaltet. Die Schaufensterfront wurde
begradigt und dem Fachwerkstil des Gebäudes angepaßt.
1989 ist Uwe Pollok in das 1.OG eingezogen, nachdem Christiane Brand (Tochter von Friedbert
Brand) ausgezogen war.
1996
wurde das Dach erneuert.
2005
wurden die Fenster im 1.OG erneuert, nachdem das Denkmalamt in Münster
und die Stadt Vlotho nach ca. 8 Jahren Verhandlung (mit Einschränkung)
zugestimmt hatten.
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