Haus Lange Straße Nr. 91. Der Pfeil zeigt auf das Fenster und den Lieblingsplatz von Oma Pein im gehobenen Alter. Dieses Haus wurde 1969 abgerissen.

Foto: 1967.

 

 

An der Stelle  des Hauses Pein wurde 1970 vom Schlachtermeister Lämmel ein Neubau errichtet. Ein späterer Mieter war Herrenmoden-Hilker, danach Duhnke. Foto: 2002.

 

 

 

Fortsetzung:

 

Was hatte es damit für eine Bewandtnis?

Die quirlige Oma Pein (* 27.11.1871 † 5.12.1964) war immer zu haben, wenn es um die Kapelle der Freiw. Feuerwehr Vlotho ging, in der ihr Mann Rudolf das Tenorhorn blies. Sie mischte sich bei Konzertveranstaltungen unter die Kassierer und sammelte darüber hinaus bei guten Bekannten auch manche Mark, falls die Kasse der Feuerwehrkapelle „Ebbe" anzeigte. Wenn ihr Mann mal nicht willens war, eine Übungsstunde der Kapelle wahrzunehmen, weil ihn die Arbeit wohl über Gebühr geschlaucht hatte, dann trieb sie ihn förmlich an. Das führte aber in keiner Weise zu Misshelligkeiten.

 

Die seelisch und geistig ausgeglichenen Eheleute Pein waren sich viel zu sehr zugetan dank ihrer fröhlichen Gutmütigkeit, die sie immer wieder auf einen liebevollen Nenner brachte. Zu den genussreichen Stunden ihres Daseins gehörte für Oma Pein auch das alljährlich wiederkehrende Stiftungsfest der Feuerwehr. Dann räumte man ihr, eben der Kapellenmutter, das Vorrecht ein, mit einem Ehrentanz und einem Tänzer ihrer Wahl das Vergnügen zu eröffnen.

Von ihrem Wohnzimmerfenster aus lächelte sie manchem Vorübergehenden zu oder begrüßte ihn mit einem aufmunternden Wort. Sie starb im hohen Alter von 93 Jahren, mitten im vollen Leben. Ihr Mann war ihr 20 Jahre  im Tode vorausgegangen.

 

Emilie Pein

Foto: Sturhan

Sein Wohn- und Arbeitszimmer war so beklemmend niedrig, dass er sich darin nur in gebückter Haltung bewegen konnte. Allerdings brauchte er aus finanziellen Gründen nicht mehr zu arbeiten. Andererseits fiel es ihm jedoch schwer, nein zu sagen, wenn man ihn bedrängend bat, wertvolle, nicht mehr käufliche Taschenuhren wieder zum Ticken und dessen Läutewerk zum Klingen zu bringen. Mit traumwandlerischer Sicherheit saß bei ihm jeder reparaturbedingte Handgriff. Wenn er wegen des chronischen Durcheinanders auf dem Arbeitstisch nach einem Teilchen kramte, dann sagte er witzigerweise: „Wo bist du denn, mein Liebchen?" Fragte man ihn: „Herr Dahms, was war denn mit der Uhr?", dann antwortete er etwas linkisch-unpassend: „Was der Mensch baut, das zerstört er auch wieder!" Gern sprach er von seiner zweiten Heimat, und das war halt Berlin: „Ja, das waren noch Zeiten, als die von Pferden gezogene Straßenbahn auf dem Kurfürstendamm verkehrte und ein pickelhauben-bewehrter Gendarm ihr gutmütig den Schienenweg durch die Menschenhaufen bahnte!"

 

Einmal in der Woche schob Dahms Nante auf Lüers Kegelbahn in der Weserstraße im „Club der Sechszehner" begeistert die Kugel. Dem Kegelclub durften grundsätzlich nur 16 Männer angehören, die sich freundlich verbunden fühlten oder mindestens gut kannten. Diese Kegelbrüder waren überhaupt ein kegelsportliches Völkchen besonderer Art. Sie trugen einen Fes, also eine rotwollene zylindrische Mütze mit Troddel, normalerweise die nationale Kopfbedeckung in der älteren Türkei. Wer vermag es zu sagen, warum es gerade ein orientalischer Kopfschmuck sein musste?

Dahms Nante starb im Alter von 85 Jahren.

 

 

 

 

 

Heute bietet das Haus (erbaut 1970) diese Ansicht. Links davon steht das Fachwerkhaus Steinmann. Es wurde 1652 erbaut.  An der rechten Seite ist das Haus Tadge. Es wurde 1653 erbaut.