Geschichten aus dem Arbeitsalltag des Hotels Goette.

 

Christian Götte

 

Als König Friedrich IV. am 23. Juli 1853 Vlotho einen Besuch abstattete, wurde zum Empfang auf dem Amtshausberg (dort gab es seinerzeit noch keine Gastwirtschaft)

 

eine Grotte aus Horststeinen und ein Zelt aufgebaut. Die Kosten dafür beliefen sich auf 192 Taler. Der König, sein Gefolge und 30 Vlothoer Kaufleute geruhten dort gemeinsam üppig zu frühstücken. Christian Goette, dem dank des guten Namens seines Hauses die Bewirtung angetragen worden war, berechnete für das Frühstück nur 15 Taler, für die Getränke dagegen 72 Taler, davon allein für 20 Bouteillen (Flaschen) Champagner 50 Taler.

Wer sagt's denn...

 

Foto: Friedrich IV  * 1795 - † 1861, König von Preußen

 

 

Sohn Fritz Götte

und sein Hausknecht Fritz Fischer

 

Sohn Fritz übernahm 1860 das väterliche Erbe. Er führte es weiter unter der Bezeichnung „Hotel Goette". Die schnaps- und bierlose Zeit gehörte folglich der Vergangenheit an. Das Hotel wurde stets gut und gern besucht. Nicht nur die in Vlotho bekannten Geschäftsreisenden der Textilbranche und des Tabakgroßhandels stiegen dort ab. Auch viele Reisende, die in Bad Oeynhausen ihrer Aufgabe nachgingen, setzten sich nach getaner Arbeit auf den Zug, damit sie sich im Hotel Goette verwöhnen lassen konnten. Fritz Goette war ungewöhnlich korpulent. Er brachte „nur" 340 Pfund auf die Waage. Allerhand... Seinem Hausknecht Fischers Fritz hatte die Natur kaum mehr als ein Drittel des voluminösen Gewichts mitgegeben. Er war eine verschrobene Type, die es aber keineswegs an Gutmütigkeit, Einfältigkeit und manchmal auch an einer gewissen Schläue mangeln ließ. Im Gedankenfach der Erinnerungen haben beide ihren oft humorgewürzten Platz.

 

Fischer oblag es, mit einer klobigen, zweirädrigen Karre das Gepäck der Reisenden und der übrigen Gäste von außerhalb vom Reichsbahnhof abzuholen. Seine „Vorschriftsmütze" und die Karre wiesen die unübersehbare Beschriftung „Hotel Goette" auf. Eines Tages wuchtete er einen sogenannten Schrankkoffer auf die Karre mit dem Ziel, ihn vor dem Manufakturwarengeschäft von Max Rüdenberg (später Haus Eisenreich) abzusetzen. Der riesengroße Koffer war 130 cm lang, 70 cm breit und 120 cm hoch. Die darin in ganzer Länge aufgehängten Kleidungsstücke für Frauen, Männer und Kinder sollten so vor Faltenbildung bewahrt, also aalglatt präsentiert werden.

 

Fischer hatte die Karre gerade aus der Hand gelassen, als der Koffer herunterfiel und aufsprang. Wie Kraut und Rüben lag der teure Inhalt auf der mistnassen Straße, denn vom grauen Himmel „pladderte es in Mollen". Rüdenberg kam herausgestürzt aus seinem Geschäft, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und stöhnte: „Fischer, die teuren Klamotten sollten doch auf dem Ladentisch ausgebreitet werden!" Pech oder folgenhaftes Ungeschick? Fischer wurde kreidebleich. Seine Stirn feuchtete sich. Angstschweiß... Das Durcheinander der Kleider ergriff ihn im Innersten. Er sagte immer wieder: „Ich bin'ner janz durchhin!". Der leutselige Rüdenberg beruhigte ihn: „Halb so schlimm! Lasst Euch erst mal von Anna in der Küche ein Glas warme Milch und einen Wacholder zur Beruhigung geben!"

 

Fritz Goette war vielleicht mehr Landwirt als Hotelier. Auf dem Winterberg beackerte er immerhin auf dem erst später bebauten Gelände der Südstraße, Kampstraße, Breslauer Straße und Bredenstraße den Boden. Außerdem verfügte

er auch über ein Wiesengrundstück, das von der zollfreien Niederlage und dem Bach am Buttend eingegrenzt war. Wenn Goette mit seinem zweispännigen Ackerwagen losfuhr, dann lief Fischer immer hintenan, um die Bremse zu bedienen. Als sie eines Tages auf dem Winterberg den Acker bestellen wollten, tat Fischer sehr verwundert, indem er lauthals sagte: „Die Maulwürfe haben sich wieder mausig gemacht." Goette erwiderte gelassen: „Dann mach Du Dich doch auch mausig. Schnapp Dir die Schute und grab sie aus, die verfluchten Himmelhunde!".

So war es damals…