|
 |
eine Grotte aus Horststeinen und
ein Zelt aufgebaut. Die Kosten dafür beliefen sich auf 192
Taler. Der König, sein Gefolge und 30 Vlothoer Kaufleute
geruhten dort gemeinsam üppig zu frühstücken. Christian Goette,
dem dank des guten Namens seines Hauses die Bewirtung angetragen
worden war, berechnete für das Frühstück nur 15 Taler, für die
Getränke dagegen 72 Taler, davon allein für 20 Bouteillen
(Flaschen) Champagner 50 Taler.
Wer sagt's denn...
Foto:
Friedrich IV
* 1795 - † 1861, König von Preußen |
|
Sohn
Fritz Götte
und sein Hausknecht Fritz Fischer
Sohn Fritz übernahm 1860 das
väterliche Erbe. Er führte es weiter unter der Bezeichnung
„Hotel Goette". Die schnaps- und bierlose Zeit gehörte folglich
der Vergangenheit an. Das Hotel wurde stets gut und gern
besucht. Nicht nur die in Vlotho bekannten Geschäftsreisenden
der Textilbranche und des Tabakgroßhandels stiegen dort ab. Auch
viele Reisende, die in Bad Oeynhausen ihrer Aufgabe nachgingen,
setzten sich nach getaner Arbeit auf den Zug, damit sie sich im
Hotel Goette verwöhnen lassen konnten. Fritz Goette war
ungewöhnlich korpulent. Er brachte „nur" 340 Pfund auf die
Waage. Allerhand... Seinem Hausknecht Fischers Fritz hatte die
Natur kaum mehr als ein Drittel des voluminösen Gewichts
mitgegeben. Er war eine verschrobene Type, die es aber
keineswegs an Gutmütigkeit, Einfältigkeit und manchmal auch an
einer gewissen Schläue mangeln ließ. Im Gedankenfach der
Erinnerungen haben beide ihren oft humorgewürzten Platz.
Fischer oblag es, mit einer
klobigen, zweirädrigen Karre das Gepäck der Reisenden und der
übrigen Gäste von außerhalb vom Reichsbahnhof abzuholen. Seine „Vorschriftsmütze"
und die Karre wiesen die unübersehbare Beschriftung „Hotel
Goette" auf. Eines Tages wuchtete er einen sogenannten
Schrankkoffer auf die Karre mit dem Ziel, ihn vor dem
Manufakturwarengeschäft von Max Rüdenberg (später Haus
Eisenreich) abzusetzen. Der riesengroße Koffer war 130 cm lang,
70 cm breit und 120 cm hoch. Die darin
in ganzer Länge aufgehängten Kleidungsstücke für Frauen, Männer
und Kinder sollten so vor Faltenbildung bewahrt, also
aalglatt präsentiert werden.
Fischer hatte die Karre gerade
aus der Hand gelassen, als der Koffer herunterfiel und
aufsprang. Wie Kraut und Rüben lag der teure Inhalt auf der
mistnassen Straße, denn vom grauen Himmel „pladderte es in
Mollen". Rüdenberg kam herausgestürzt aus seinem Geschäft,
schlug die Hände über dem Kopf zusammen und stöhnte: „Fischer,
die teuren Klamotten sollten doch auf dem Ladentisch
ausgebreitet werden!" Pech oder folgenhaftes Ungeschick? Fischer
wurde kreidebleich. Seine Stirn feuchtete sich. Angstschweiß...
Das Durcheinander der Kleider ergriff ihn im Innersten. Er sagte
immer wieder: „Ich bin'ner janz durchhin!". Der leutselige
Rüdenberg beruhigte ihn: „Halb so schlimm! Lasst Euch erst mal
von Anna in der Küche ein Glas warme Milch und einen Wacholder
zur Beruhigung geben!"
Fritz Goette war vielleicht mehr
Landwirt als Hotelier. Auf dem Winterberg beackerte er immerhin
auf dem erst später bebauten Gelände der Südstraße, Kampstraße,
Breslauer Straße und Bredenstraße den Boden. Außerdem verfügte
er auch über ein
Wiesengrundstück, das von der zollfreien Niederlage und dem Bach
am Buttend eingegrenzt war. Wenn Goette mit seinem zweispännigen
Ackerwagen losfuhr, dann lief Fischer immer hintenan, um die
Bremse zu bedienen. Als sie eines Tages auf dem Winterberg den
Acker bestellen wollten, tat Fischer sehr verwundert, indem er
lauthals sagte: „Die Maulwürfe haben sich wieder mausig
gemacht." Goette erwiderte gelassen: „Dann mach Du Dich doch
auch mausig. Schnapp Dir die Schute und grab sie aus, die
verfluchten Himmelhunde!".
So war es damals…
|