Fortsetzung:

 

Erst die Söhne von Michel Rüdenberg begründeten vor hundert Jahren die Firma ,,Gebrüder Rüdenberg", die später von dem Sohn bzw. Neffen, Max Rüdenberg, fortgeführt wurde, bis das Geschäft 1934 in den Besitz des Kaufmannes Georg Eisenreich überging.

 

Wies das Geschäft, als es von dem Letztgenannten übernommen wurde, an Ausstellung- und Verkaufsräumen eine Grundfläche von gut 400 Quadratmetern auf, so verfügte es 1957 über nahezu 1000. 1964 wurde das Modehaus Eisenreich mit einer neuen Eternit-Fassade verkleidet. Für die damalige Zeit handelte es sich zweifellos um eine sehr moderne Architektur, die, auf diese Weise, relativ leicht zu verwirklichen war: Das Giebeldach des Fachwerkhauses wurde „gekappt", d. h. um ein Bestimmtes abgetragen. Dem so für einen modernen Aus- und Umbau vorbereiteten Altbau wurde einfach ein würfelförmiges - bildlich gesprochen - eisernes Gestell übergestülpt. Das Gestell brauchte nur noch mit Eternit-Winkel verkleidet zu werden und fertig war ein

großstädtisch wirkender, supermoderner Bau (siehe Foto). Er wurde dann ja bekanntlich bald von der „Welle" der

 

Firmenlogo-Eisenreich

 

 

Im Umbruch 1964.

 

Stadtsanierung erfasst und später abgerissen.

Bereits im April 1982 wurde das Modehaus Eisenreich an der Langen Straße Nr. 62 geschlossen. Ein Jahr später am 1. September 1983 eröffnete das Ehepaar Enulat das „Modegeschäft Eisenreich“ neu. Jetzt aber am Standort Lange Straße Nr. 135a. Dort wurden vorwiegend Damenmoden angeboten. 1999 kam es dann zur endgültigen Schließung.   

 

 

 

Von 1964 bis 1984 schmückte sich das Modehaus Eisenreich mit einer neuen Eternit-Fassade. Für die damalige Zeit handelte es sich zweifellos um eine sehr moderne Architektur.

 

 

 

Modenhaus Eisenreich in modischer Umschalung

Wie man in Vlotho im Dezember 1964 so über das Vlothoer Stadtbild dachte

 

Mit dem Abbruch des alten Rathauses musste das noch ältere Gebäude des Moden­hauses Eisenreich eine wenig ansehnliche Seitenfront freigeben. Dass es so nicht bleiben würde, stand außer Zweifel, doch blieb die Frage nach dem Wie der Umgestaltung längere Zeit ein umrätseltes Geheimnis.

 

So ratsam der Abbau des ganzen Hauses erscheinen mochte, wäre er jedoch nicht nur recht kostspielig, sondern auch zu zeitrau­bend gewesen. Man kam daher auf eine umkleidende Lösung und erreichte damit einen Effekt, wie man ihn sich kaum in diesem Ausmaße vorgestellt haben dürfte. Mit dieser Lösung machte es die Firma Eisenreich möglich, ihr altes Gebäude zu verjüngen und mit der gefächerten Fassade selbst in Fachkreisen Aufsehen zu erregen. Das gab es bisher auch wohl kaum, dass ein altes Haus auf

modischste Weise um­schalt wurde und in seinem Kern weiter existierte.

Auch mit Bezug auf die Einordnung in das Gesamtbild kann man Planern und Ge­staltern das Gelingen der Idee bestätigen. In die unmittelbare Nähe des hochstöckigen Rathauses passte nur ein sich kubisch angleichendes Gebäude. Obgleich dieses Gebäude um etliche Stockwerke niedriger ist als das behördliche Hochhaus, wird es keineswegs erdrückt, vielmehr stellt es einen Baukörper dar, der sich in seiner Umgebung durchaus zu behaupten weiß.

Als man ans Werk ging, war die Idee erst zur Hälfte geboren, so dass es manche Abänderungen gab, ehe man um das Altgebäude die weiß glitzernde Drapierung der Fassade „geknüpft" und beides sich gut sitzend miteinander verbunden hatte. Und noch ein Wesentliches: Wo einst das alte Rathaus stand, ist der Blick frei geworden auf eine Schaufensterfront, die brüchiges Fachwerk ersetzt. So kann man nunmehr wohl mit Fug und Recht sagen, dass Vlothos modernstes Viertel  am Brückenkopf liegt.

 

 

 

1964        

      

 

 

Das Gebäude von Eisenreich an der Langen Straße Nr. 62 wurde im August 1984 abgerissen.

 

 

Eisenreich an der Langen Straße Nr. 135a. November 1996.

 

 

Ehepaar Ennulat

und das Warenangebot. Foto: 1996.