Lange Straße vom Bahnhof bis zum Rathaus.

Die rechte Häuserzeile wurde 1977 bis 1980 komplett abgerissen.

 

 

 

Übersicht der Eigentümer und Mieter der Häuserreihe zwischen Rathaus und Bahnhof (etwa 1910 bis 1980).

 

Die Namen der Eigentümer bzw. Mieter der auf der rechten Straßenseite zum Teil gut erkennbaren Häuser wecken bei manchem Vlothoer gewiss bestimmte Erinnerungen. Das erste der rechten Häuserreihe gelegene Haus besaß der jüdische Einwohner Gustav Grundmann (später der Arzt Dr. Rotstock und nach ihm der Arzt Dr. Lange Nr. 54).

 

Eigentümer des nachbarlichen modernen Hauses mit der deutlich erkennbaren Beschriftung „Cafe Sonntag" (Nr. 52) war der Spirituosenfabrikant Willi Sonntag. Sein Fabrikationsbetrieb war unmittelbar im Haus daneben untergebracht (gehörte Heinrich Meier Nr. 50).

 

Das nächste, allerdings kaum sichtbare Haus, bewohnte der Pferdehändler Heinrich Meier (Nr. 48). Er besaß zudem im dahinter liegenden Grundstücksbereich an der Grabenstraße (später Werderstraße), die über den Buttend nach der Weser führte, ausgedehnte Stallungen.

 

An Höhe kaum zu überbieten war das nachfolgende, ganz aus roten Backsteinen erbaute Haus des Zigarrenfabrikanten Westmann (Nr. 46). Er nutzte es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges für Wohn- und Fabrikationszwecke (einer der späteren Mieter namens Schmidt betrieb im Erdgeschoß eine Fahrradhandlung mit einer Reparaturwerkstatt).

 

In dem sich anreihenden Haus (Nr. 42+44), wo der jüdische Eigentümer Max Grundmann (später Schöning) auch seine Wohnung hatte, unterhielten er und sein zuvor genannter Bruder Gustav eine Großhandlung für Leder und Schumacher-Bedarfsartikel. Eine dazugehörige Gerberei, die aus Tierhäuten verarbeitungs- und verkaufsreifes Leder herstellte, befand sich im hinteren Grundstücksteil.

 

Die dann von der Zufahrt nach der Grabenstraße unterbrochene Häuserreihe setzte sich fort mit den beiden Häusern (Nr. 38+40) des Schlachtermeisters Bernhard. Im kleineren der beiden Bernhardschen Häuser war der Mieter und Sattlermeister Fleer ansässig.

 

Dann folgte das Haus der Eigentümerfamilie Brühl (Nr. 36), das zunächst einem Friseur- und danach einem Tabakwarengeschäft die Existenz ermöglichte.

 

Das älteste der sich anschließenden Häuser (Nr. 34), ein langgestreckter, mit Zement übergeputzter Fachwerkbau, diente dem Kolonialwaren-Groß- und Kleinhändler Ernst Heermann (später dem Hauderer Johanning). Zur Versorgung der Großhandelskunden wurden zwei Pferde angespannt. Heermann war ein wohlhabender Mann. Er ließ am Hang des Amthausberges gegenüber dem Bundesbahnhof sogar ein privates, gewölbeähnlich ausgebautes Erbbegräbnis errichten.

 

Noch zwei weitere Häuser leiteten dann über auf die Anlagen des Bundesbahnhofs und des Güterbahnhofs. In dem einen Haus, dem baulich kleinsten, lebte die Familie des Fischers und Wandermatrosen Fritz Casselmann (Nr. 32). Unter der Bezeichnung Wandermatrose verstand man einen mit dem Fahrwasser der Weser vertrauten Lotsen, der die Schiffe talwärts sicher zur Anlegestelle geleitete.

 

In dem anderen Haus (Nr. 30) sorgte der Gastwirt Spilker mit behender Aufmerksamkeit dafür, dass der Bierdurst seiner Gäste gelöscht wurde. Seine Nachfolger taten es ihm gleich, nämlich zunächst der jüdische Mitbürger Speier und nach ihm Carl Niederdeppe.

Letzte Hotelbesitzer waren Otto Decker und seine Ehefrau Franziska. Sie führten die Gaststätte und das Hotel von 1956 bis zur Schließung im Jahre 1963. Weil Otto Decker mit der Brauerei Weissenburg, die das Bier lieferte oft Ärger hatte, handelte er sich den Schimpfnamen „Schräger“ ein. Daraus machte Otto Decker den Namen „Schräger Otto“ was auch zur Lokalbezeichnung wurde. Im Dezember 1968 wurde das Haus „Lange Straße Nr. 30“ abgerissen.

 

 

Eine Postansichtskarte des damaligen Besitzer Otto Decker.

 

 

Eine weitere Postansichtskarte um 1960.

 

Hier noch mal der Kartentext zum Lesen.

Es war mal in einer Zeit, da wurde der Gastwirt von einer Brauerei zum „Schrägen" ernannt auf Lebenszeit. Doch der Humor war stärker als der Fehdehandschuh in der Hand. Der Gastwirt malte den „Schrägen" gleich draußen an die Hauswand. Seitdem ist mein Lokal als „Schräger Otto" bekannt.

 

 

 

 

Lange Straße Nr. 45 - 43 - 41. Foto: 2008

 

 

Bahnhof-Hotel, Lange Straße Nr. 30. Foto: 1948

Abgerissen: Ende 1968

 

Lange Straße Nr. 51 - 49. Foto: 2008

 

 

Lange Straße Nr. 32 + 34. Foto: 1932

 

 

Schöning, Verwaltung. Beide Häuser Lange Str. Nr. 53

 

 

Lange Straße Nr. 40 und 42. Foto: 1928

Rechts, Fahrradhandlung Otto Lambrecht.

 

Lange Straße Nr. 40. Schlachterei Bernhard/Theesfeld

Foto: um 1976

 

Lange Straße Nr. 44. Foto: um 1976

 

 

Schöning Zigarrenfabrik.  Lange Straße Nr. 55

 

 

Meier, Pferdeh. - Lange Straße Nr. 48+50. Foto: 1902 

 

 

Lange Straße Nr. 59 - 57. Foto: 2008

 

 

 

 

Textilwaren Fritz Böhm Lange Straße 59. Fritz und Lilli Böhm sowie Thea Meier sind auf dem Foto von 1955 zu sehen.

 

Lange Straße Nr. 32 und 54. Foto: 1980

 

 

Lange Straße Nr. 65 bis 61. Foto: um 1935

 

Lange Straße Nr. 56 bis 62.

Die beiden linken Häuser wurden für den Neubau der

alten Weserbrücke 1927 abgerissen. Foto: 1927

 

Lange Straße Nr. 54 bis 38. Foto: 1959, aufgenommen von der alten Weserbrücke.