Leider ist über die ehemaligen Eigentümer und Pächter vor 1850 nur wenig bekannt.

 

 

Eine Postkarte vom Inhaber Baumeister, abgestempelt am 25. Mai 1941.

 

 

 

Stichwort Alt Heidelberg – Besitzer und Pächter

Das Fachwerkhaus Vlotho Nr. 100 - ab 1910 Vlotho Lange Straße Nr. 70 – wurde 1604 erbaut und ist heute das drittälteste Haus in Vlotho. Es diente einst als Geschäftshaus und bis heute als Gaststätte, aber es wurde anscheinend nie als Ackerbürgerhaus genutzt. Über die Nutzer der ersten Zeit nicht viel bekannt.

 

Ab 1881 betrieb August Sonntag (* 1839 † 1917) in dem früheren Becker’schen Hause Nr. 100 ein Kaufmann-Gewerbe, was aber nicht ertragreich war. August Sonntag war bis dahin als selbstständiger Lohnkutscher tätig. Im April 1881 stellte er beim Amtmann Müller ein Konzessionsgesuch, was aber abgelehnt wurde. Am 29. März 1886 erneuerte August Sonntag, der sich jetzt als Kaufmann bezeichnete, sein Gesuch:

Diesem neuerlichen Konzessionsgesuch gab Amtmann Müller am 11. April 1886 statt. Es entstand die heute unter dem Namen

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Der Kaisersaal war ein Anbau an der Gaststätte Alt Heidelberg und wurde 1922 abgebrochen.

Abb. einer Postkarte um 1900.

„Alt Heidelberg" bekannte Gaststätte. Eine Zeit lang führte sie den Namen „Kaisersaal", da von dem Besitzer hinter dem Gasthofe an der Mühlenstraße ein großer Saalbau errichtet wurde, in dem neben Tanzveranstaltungen auch zahlreiche politische Versammlungen abgehalten wurden, bis er 1922 abgerissen wurde. Im Alter von 70 Jahren gab Sonntag seinen Beruf als Gastwirt auf und verkaufte 1909 „Alt Heidelberg“ an die Dortmunder Familie Baumeister. Sie betrieb die Gaststätte bis 1955. Weitere Pächter danach waren, u. a. Heinrich Heißenberg und Heinz Gieselmann.

 

1982 erwarb Frau I. Marron das Haus, das bis dahin Frau J. Hoffmann (Eisenwaren) gehörte. Es erfolgte ein Großumbau, der im März 1984 abgeschlossen wurde. Als Pächter zog am 30. April 1984 Peter Losin ein. Es folgte am 22. August 2009 bis Januar 2010 Andreas Kaplan und René Fartek, die neben der deutschen Küche auch Österreichische Spezialitäten anboten. Am 17. Februar 2010 übernahm Lena Marron, Tochter des heutigen Besitzers, die Gaststätte mit Restaurantbetrieb.

 

Stand: April 2010.

 

 

 

Der Weg zur Konzession von August Sonntag

Ein Bericht:

 

Amtliche Hemmnisse

Antragsteller für eine Konzession versprachen sich in Vlotho (1874/1875) von Eisenbahn und Bahnhof einen „regeren Verkehr“, wie es in einem Gesuch heißt, und entsprechende Verdienstmöglichkeiten im Gastwirtschaftsgewerbe. Das verwundert, wenn man weiß, dass in Vlotho im Jahr 1872 bei 3.000 Einwohnern bereits 31 Gast- und Schankwirtschaften und Getränke-Kleinhandlungen bestanden.

Der Unwille des Vlothoer Amtmannes Müller, der ohnehin zeitlebens einen weitgehend vergeblichen Kampf gegen Trunksucht und Konzessionierung von Gastwirtschaften führte, weitere Konzessionen zu erteilen, wird vor diesem Hintergrund verständlich.

 

Der Vlothoer Lohnfuhrmann August Sonntag erklärte in seinem Konzessionsgesuch vom 21. April 1881, dass das bisherige von ihm betriebene Lohnfuhrwerk seit dem Bau der Eisenbahn durch Vlotho und durch den Bau der Eisenbahn Herford-Detmold im Jahr 1880 so stark zurückgegangen sei,

„dass meine Existenz gänzlich in Frage gestellt ist und ich nicht so viel verdiene, als zum Lebensunterhalt meiner Familie selbst bei den bescheidensten Ansprüchen erforderlich ist. Ich bin daher leider gezwungen, zu einer anderen Beschäftigung Zuflucht zu nehmen und habe zu diesem Zweck das Becker’sche Haus gemietet, um im selben Wirtschaft zu betreiben“.

Mit der Bemerkung, dass in Vlotho kein Bedürfnis zur Ausweitung der bestehenden Gaststätten bestände, deren Inhaber sich ohnehin sämtlich über die schlechte Geschäftslage beklagten, lehnte Amtmann Müller das Gesuch ab.    

Am 29. März 1886 erneuerte August Sonntag, der sich jetzt als Kaufmann bezeichnete, sein Gesuch:

„Nachdem meine frühere Existenz durch den Bau der Eisenbahn gänzlich in Frage gestellt wurde, und ich mit meiner zahlreichen Familie nicht durchzukommen wußte, war ich gezwungen, zu einem anderen Geschäfte meine Zuflucht zu ergreifen. Seit dem Jahre 1881 betreibe ich in dem früheren Becker’schen Hause No. 100 hier das Kaufmann Gewerbe, welches aber ganz unbedeutend ist, und wurde in selbigem auch früher die Gast- und Schankwirtschaft mit gutem Erfolg betrieben“.

Diesem neuerlichen Konzessionsgesuch gab Amtmann Müller am 11. April 1886 statt. Es entstand die heute unter dem Namen „Alt Heidelberg" bekannte und noch existierende Gastwirtschaft, die August Sonntag bis zum Verkauf im Jahr 1909 erfolgreich betrieben hatte.

 

Teile dieses Berichtes wurden dem Buch Beiträge zur Ortsgeschichte“ „Café Sonntag“

F05 Sonntag A09.C07.F05.G09 der Geschichtswerkstatt Exter entnommen.

 

 

Concessions-Urkunde von August Sonntag 1886.

Links: Amtmann Müller, er erteilte die Genehmigung.

Unten: die Übersetzung.

 

Übersetzung

 

Concession

 

Dem Kaufmann August Sonntag

hierselbst, wird hierdurch die Erlaub-

nis erteilt, dem unteren Nr. 100

der hiesigen Stadt gelegenen Hau-

se, die Gastwirtschaft zu betreiben.

Derselbe hat bei der Ausübung dieses

Gewerbes die dasselbe betreffenden ge-

setzlichen Vorschriften genau zu

beachten.

 

Vlotho, den 11. April 1886.

Der Amtmann

 

 

 

Alt-Heidelberg - Gaststätte um 1970.