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Der Weg zur Konzession von August
Sonntag
Ein Bericht:
Amtliche Hemmnisse
Antragsteller für eine Konzession
versprachen sich in Vlotho (1874/1875) von Eisenbahn und Bahnhof
einen „regeren Verkehr“, wie es in einem Gesuch heißt, und
entsprechende Verdienstmöglichkeiten im Gastwirtschaftsgewerbe.
Das verwundert, wenn man weiß, dass in Vlotho im Jahr 1872 bei
3.000 Einwohnern bereits 31 Gast- und Schankwirtschaften und
Getränke-Kleinhandlungen bestanden.
Der Unwille des Vlothoer
Amtmannes Müller, der ohnehin zeitlebens einen weitgehend
vergeblichen Kampf gegen Trunksucht und Konzessionierung von
Gastwirtschaften führte, weitere Konzessionen zu erteilen, wird
vor diesem Hintergrund verständlich.
Der Vlothoer Lohnfuhrmann August
Sonntag erklärte in seinem Konzessionsgesuch vom 21. April 1881,
dass das bisherige von ihm betriebene Lohnfuhrwerk seit dem Bau
der Eisenbahn durch Vlotho und durch den Bau der Eisenbahn
Herford-Detmold im Jahr 1880 so stark zurückgegangen sei,
„dass meine Existenz
gänzlich in Frage gestellt ist und ich nicht so viel verdiene,
als zum Lebensunterhalt meiner Familie selbst bei den
bescheidensten Ansprüchen erforderlich ist. Ich bin daher leider
gezwungen, zu einer anderen Beschäftigung Zuflucht zu nehmen und
habe zu diesem Zweck das Becker’sche Haus gemietet, um im selben
Wirtschaft zu betreiben“.
Mit der Bemerkung, dass in Vlotho
kein Bedürfnis zur Ausweitung der bestehenden Gaststätten
bestände, deren Inhaber sich ohnehin sämtlich über die schlechte
Geschäftslage beklagten, lehnte Amtmann Müller das Gesuch
ab.
Am 29. März 1886 erneuerte August
Sonntag, der sich jetzt als Kaufmann bezeichnete, sein Gesuch:
„Nachdem meine
frühere Existenz durch den Bau der Eisenbahn gänzlich in Frage
gestellt wurde, und ich mit meiner zahlreichen Familie nicht
durchzukommen wußte, war ich gezwungen, zu einem anderen
Geschäfte meine Zuflucht zu ergreifen. Seit dem Jahre 1881
betreibe ich in dem früheren Becker’schen Hause No. 100 hier das
Kaufmann Gewerbe, welches aber ganz unbedeutend ist, und wurde
in selbigem auch früher die Gast- und Schankwirtschaft mit gutem
Erfolg betrieben“.
Diesem neuerlichen
Konzessionsgesuch gab Amtmann Müller am 11. April 1886 statt. Es
entstand die heute unter dem Namen „Alt Heidelberg" bekannte und
noch existierende Gastwirtschaft, die August Sonntag bis zum
Verkauf im Jahr 1909 erfolgreich betrieben hatte.
Teile
dieses Berichtes wurden dem Buch
„Beiträge
zur Ortsgeschichte“
„Café Sonntag“
F05 Sonntag A09.C07.F05.G09
der Geschichtswerkstatt Exter entnommen.
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