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Im weitläufigen Hügelland zwischen Valdorf und dem lippischen Wüsten
liegt Wehrendorf, eine lockere Streusiedlung mit immer noch weitgehend
landwirtschaftlich bestimmtem Charakter zwischen Feldern und kleinen
Waldungen. Den kirchlichen Mittelpunkt bilden in einem parkähnlichen
Gelände die freundliche „Kreuzkirche" und das Gemeindehaus mit der
Pfarrwohnung. Seit dem 1. Januar 1970 ist Wehrendorf nach der Abpfarrung
von Valdorf eine eigenständige Pfarrgemeinde mit knapp 1.100
Gemeindegliedern. Damit ist an die sehr alte Geschichte Wehrendorfs, der
früheren Vogtei im Amt Vlotho und selbständigen Parochie wieder
angeknüpft worden.
Etwa im Jahre 900 wird der Flecken Wehrendorf zum Mittelpunkt eines
großen Kirchspiels, zu dem die heutigen Gebiete der Gemeinden Valdorf,
Bonneberg und Vlotho gehört haben. Die Bewohner von Vlotho mussten also
weitere Fußwege auf sich nehmen, um ihre Kirchspielskirche in Wehrendorf
aufzusuchen, die man sich als eine größere Kapelle vorzustellen haben
wird. Diese Wege wurden erst kürzer, als im 12. Jahrhundert einer der
Edlen von Vlotho die Verlegung der Kirche nach Valdorf anordnete. Unter
den wenigen Notizen aus der Geschichte der Gemeinde Wehrendorf
überliefert eine aus dem Jahre 1399, dass es einen Pfarrer namens Johann
Ottermann als „Pfarrer der Parochialkirche 'in Wehrentorp' in der
Diözese Minden" gegeben habe. Die Kirche war der heiligen Katharina
geweiht. Die Patronatsrechte lagen beim Kloster Loccum, das die Rechte
am Kloster Segenstal in Vlotho wahrnahm, zu dem wiederum schon seit 1258
Wehrendorf mit Valdorf gehörte. In seiner „Beschreibung des vormaligen
Bistums Minden" von 1877 (Seite 370 f.) schreibt Ludwig A. Th. Holscher:
„Abt Arnold von Loccum übertrug 1477 die Capelle der Hl. Catharina 'in
Wehrentorpe' dem Geistlichen Eghard Hobe, und 1505 verlieh Abt Boldewin
zu Loccum, nach dem Tode des Plebans (d. h. Pfarrers) Hildebrandt die
Pfarre zu Weringtorpe dem Hermann Kollink". Es ist davon auszugehen,
dass in jenen Jahrhunderten sich das kirchliche Leben schon überwiegend
in der Kirche zu Valdorf abspielte, deren geistliche Versorgung vom
Kloster Segenstal in Vlotho aus wahrgenommen wurde.
Die Bedeutung Wehrendorfs als Kirchort tritt ganz in den Hintergrund.
Jene kleine Kirche, die ursprünglich dort gestanden hat, soll im
30jähri-gen Krieg zerstört, aber später wieder aufgebaut und noch
längere Zeit benutzt worden sein, zerfiel dann jedoch im 18. Jahrhundert
und wurde schließlich 1828 abgerissen. Der Glockenstuhl, dessen Glocke
lange Zeit der Vogtei Wehrendorf als Ruf- und Kirchglocke gedient hatte,
wurde 1828 im Garten des Wehrendorfer Pfarrers neu errichtet. Die
jahrhundertelange enge Verknüpfung Wehrendorfs mit Valdorf hat kaum mehr
eine eigene Kirchengeschichte Wehrendorfs ermöglicht. So ist die
Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert durch den ehemaligen
Franziskanermönch Bernhard Christiani ein Ereignis, dass sich im
wesentlichen mit der im 14. Jahrhundert erbauten frühgotischen Kirche in
Valdorf verbindet. 1531 musste der schon erwähnte Pfarrer Hermann
Kollink sein Amt dem reformatorisch predigenden Bernhard Christiani
überlassen, da er sich weigerte, den Gottesdienst nach lutherischem
Ritus zu feiern. Der neue lutherische Pfarrer freilich musste von der
Gemeinde aus eigener Tasche bezahlt werden, da Kollink nicht bereit war,
die Pfründe in Wehrendorf zu verlassen.
Greifbare Konturen gewinnt das kirchliche Leben in Wehrendorf erst
wieder im 19. Jahrhundert. Der Zerfall der Kapelle und ein
wahrscheinlich heruntergekommenes Pfarrhaus hatten den Wehrendorfern
keine Versammlungen in einem angemessenen Raum mehr gestattet. Erst mit
der Errichtung eines neuen Pfarrhauses mit Konfirmandensaal (1833) war
die Voraussetzung geschaffen, wieder Menschen zu versammeln.
Bemerkenswert ist, dass im Jahre 1836 auch ein neues Küsterhaus in
Wehrendorf gebaut wurde. Das lässt darauf schließen, dass das kirchliche
Leben nicht völlig zum Erliegen gekommen war. Konturen eigenen Lebens in
der Gemeinde werden wieder greifbar mit der Gründung kirchlicher Vereine
1891. Ein „Jünglings- und Jungfrauenverein" entsteht, aus dem der
spätere gemischte Chor hervorgeht, der noch heute mit 40 Sängerinnen und
Sängern als Kirchenchor das musikalische Leben der Gemeinde prägt,
ebenso der Posaunenchor mit heute über 30 Mitgliedern.
1892 wurde in Wehrendorf wieder ein Friedhof angelegt und in Dienst
genommen - der alte Kirchhof war bis zum 18. Jahrhundert als Friedhof
genutzt worden.
Ein entscheidender Schritt wurde 1895 mit der Einrichtung einer weiteren
Pfarrstelle in Valdorf getan. In diesen Jahren hatte der Superintendent
des Kirchenkreises Eberhard Delius (1892 -1896) die erste Pfarrstelle
von Valdorf mit Sitz und Zuständigkeit in Wehrendorf inne. Er wusste,
dass in seinem Gemeindebezirk Wehrendorf der Wunsch nach einer eigenen
Kirche nicht zur Ruhe gekommen war und trug sich mit der Absicht, eine
neue Kirche in Wehrendorf zu bauen. Auch sein Nachfolger, Pastor
Heidsiek, hat diesen Plan weiterverfolgt, konnte ihn aber nicht
verwirklichen. Man kann sich vorstellen, dass in den Jahren ohne Kirche
und sonntäglichen Gottesdienst die Gruppen für den Gemeindebezirk
Wehrendorf eine besondere Bedeutung gewonnen haben. Dies trifft auch für
die Frauenhilfe zu, die am Beginn unseres Jahrhunderts aus dem
Missionsnähverein hervorging und am 10. Mai 1909 dem Verband der
Frauenhilfe des Evangelisch-kirchlichen Hilfsvereins angeschlossen
wurde.
Die ersten Zusammenkünfte fanden im Studierzimmer von Pastor Wex mit
etwa 12 -14 Frauen statt. Noch heute gehört die Frauenhilfe zum
Grundstamm des Gemeindelebens und versammelt sich 14-tägig. Für die
Kinder des Gemeindebezirkes hatte man Sonntagsschulen eingerichtet, in
denen sie mit den Inhalten der biblischen Geschichte vertraut gemacht
wurden.
Bald wurden auch bessere Voraussetzungen für eine eigenständige Arbeit
in Wehrendorf dadurch hergestellt, dass 1929 das alte Pfarrhaus zum
Gemeindehaus erweitert wurde. Dies hat bis in unsere Tage noch zwei
weitere große Umbauten erfahren, so dass es heute als funktionstüchtiges
Gemeindehaus mit Pfarrwohnung benutzt werden kann.
Während der Zeit des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges konnte
die Arbeit in der Gemeinde nur notdürftig fortgesetzt werden. In manchen
Gruppen musste man nach dem Krieg von vorn beginnen und alles neu
aufbauen. Dazu gehörte auch die Einrichtung eines regelmäßigen
Gottesdienstes, der seit Februar 1955 im Gemeindehaussaal gehalten
wurde. Dem dringenden Wunsch nach einer eigenen Kirche kam nun der
Umstand entgegen, dass die Altstadtgemeinde Bad Oeynhausen eine neue
Kirche bekam und die bis dahin benutzte so genannte Notkirche nicht mehr
gebraucht wurde. Der damalige Superintendent Heinrich Niederbremer
machte die Gemeinde Wehrendorf darauf aufmerksam, dass sie diese Kirche
möglicherweise bekommen könne. So kam es, dass in Wehrendorf diese
Kirche aufs neue Verwendung gefunden hat.
Am 1. Advent 1969 konnte die Kreuzkirche Wehrendorf vom damaligen Präses
der Evangelischen Kirche von Westfalen D. Hans Thimme eingeweiht werden.
In einem schlanken freistehenden Glockenturm rufen seitdem 4 Glocken zum
Gottesdienst.
Im Inneren der Kirche bestimmt das Sichtmauerwerk zwischen den tragenden
Holzleimbindern das Bild. Hoch liegende Lichtbänder tauchen die
Kreuzkirche in ein freundliches Licht. Besonders eindrucksvoll ist der
helle Altarraum, in den durch große Fensterwände nach Süden helles Licht
hineinströmt. Eine Orgel der heimischen Orgelbaufirma Steinmann
(Vlotho-Wehrendorf) begleitet den Gesang.
Ein reiches gottesdienstliches Leben hat sich in den zwei Jahrzehnten
des Bestehens der Kreuzkirche entwickelt. Vielfältige Möglichkeiten
neuer Gottesdienstformen werden praktiziert, wie Familiengottesdienste
und Singegottesdienste oder auch meditative Andachten und Gottesdienste
für Kinder in neuer Gestalt.
Zugleich werden Wege und Möglichkeiten gesucht, die Gruppen der Gemeinde
am sonntäglichen Gottesdienst zu beteiligen, so. z. B. Spielszenen und
Dialoge, den Einsatz von Lektoren und eine vielfältige musikalische
Gestaltung.
Um das Zentrum des Gottesdienstes gibt es eine weit gefächerte Arbeit
für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Im Mutter- und Kindkreis
versucht die Gemeinde Kinder und vor allem Mütter zu begleiten, an die
Kinder wendet sie sich aber besonders im Kindergottesdienst, in der
Jungschar, im Kinderchor und Jungbläserkreis. Es gehört zum Konzept der
Wehrendorfer Gemeindearbeit, dass der Kirchliche Unterricht in die
vielfältigen Möglichkeiten von Kinder- und Jugendarbeit eingebettet
wird.
Dass die Wehrendorfer Gemeinde nicht nur mit sich selbst beschäftigt
ist, zeigen die Kontakte zu zwei Partnergemeinden in der ehemaligen DDR.
Seit 1983 besteht durch gegenseitige Besuche Verbindung mit den
Gemeinden Kamern und Schönhausen im Kirchenkreis Tangermünde.
Ihren besonderen Ausdruck fand diese Partnerschaft darin, dass beiden
Gemeinden ein Orgelpositiv überreicht werden konnte und dass Mitarbeiter
der Wehrendorfer Orgelbaufirma die große Orgel der Kamerner Kirche
renoviert haben. So verbindet die Gemeinden in Ost und West insbesondere
das Gotteslob, zu dem die Orgeln, die Königinnen der Instrumente,
dennoch die unersetzbaren Dienerinnen sind.
Kurt Kükenshöner
Dieser Text wurde mit freundlicher
Genehmigung dem Buch „Kirche an Weser und Werre“ (1991) entnommen.
Dieses Buch ist nicht mehr im Handel
erhältlich.
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