Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde Bonneberg

 

Im Norden Vlothos liegt — von der Autobahn A 2 Ruhrgebiet/Berlin durchschnitten — die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Bonneberg. Den Mittelpunkt der ländlich strukturierten Gemeinde bildete bis vor kurzem eine große Möbelfabrik, in der über viele Jahre ein großer Teil der bodenständigen Bevölkerung Arbeit fand. Heute fahren die meisten Einwohner in die Nachbarstädte, um ihren Beruf — vor allem in der holzverarbeitenden Industrie — auszuüben und auch, um alle Einkäufe zu tätigen, da es am Ort kein Geschäft mehr gibt.

 

Die Geschichte der Kirchengemeinde ist schnell erzählt; denn die Bauernschaft Bonneberg gehörte bis zum Sylvestertag 1969 als Pfarrbezirk West zur Kirchengemeinde Valdorf. Der lange Fußweg zu den Gottesdiensten am Sonntagmorgen und zu den Konfirmandenstunden an zwei Nachmittagen in der Woche ist den älteren Gemeindegliedern noch in Erinnerung. Geprägt von der Frömmigkeit der Minden-Ravensbergischen Erweckungsbewegung, war es für viele selbstverständlich, sich am kirchlichen Leben zu beteiligen. Die Kirchengemeinde Bonneberg existiert zwar erst seit 20 Jahren, aber kirchliche Zusammenkünfte gab es schon lange vorher.

 

Missionar Brech von der Barmer Mission hielt unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg mehrere Evangelisationsveranstaltungen in Vlotho und Umgebung ab. Von seiner Verkündigung wurden auch einige Bonneberger Bürger angesprochen. Sie versammelten sich anschließend zu Bibel- und Jugendstunden in Privatwohnungen. Die erste Bibelstunde fand auf dem Hofe „Simonsmeier" statt. Dieser Hof wurde in den folgenden Jahren zum Ausgangspunkt zahlreicher kirchlicher Aktivitäten. Bekannte Pfarrer, Prediger und

Evangelisten kamen hierher, um Gottes Wort zu verkündigen.

 

Im Juli 1925 kam es mit tatkräftiger Oeynhauser Unterstützung zur Gründung eines Jugendbundes für Entschiedenes Christentum (EC). Er prägte in den nächsten Jahren das christliche Leben am Ort. Dielenevangelisationen, Jugendwochen, Jungschar- und Kinderstunden und Freizeiten wurden in großem Segen durchgeführt. Da es noch kein kirchliches Gebäude gab, versammelte man sich zunächst im Saal der Gaststätte Kixmöller, später stellte die große Möbelfabrik Seilmann Räumlichkeiten zur Verfügung.

 

Die Valdorfer Pfarrer unterstützten diese Jugend- und Bibelstundenbewegung. Sie kamen außerdem zu Frauenstunden und gelegentlichen Abendmahlsfeiern auf den Bonneberg. Das Gefühl wuchs, ein eigenständiges, lebendiges kirchliches Leben in der Bauernschaft zu haben.

Groß war die Freude, als nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges endlich der Bau einer eigenen Kirche bewilligt wurde. 1957, am 3. Sonntag nach Ostern (Jubilate), konnte unter starker Beteiligung der Bevölkerung die nach diesem Sonntag benannte „Jubilate-Kirche" durch Präses Wilm eingeweiht werden.

 

Nicht lange nach Vollendung des Kirchbaus war auch das Pfarrhaus fertig gestellt, so dass der „Bonneberg", obgleich nur Valdorfer Pfarrbezirk, nun auch stets seinen eigenen Pfarrer am Ort hatte. Der Tradition der Gemeinde entsprechend folgte auf den Kirchweihsonntag eine Evangelisationswoche. Die gleichzeitig durchgeführten Kinderstunden fanden so großen Zuspruch, dass sogleich eine Kindergottesdienstarbeit aufgenommen werden konnte. Als Versammlungsraum für die wöchentlichen Gruppenstunden konnte nun der Vorraum der neuen Kirche genutzt werden.

 

Es entstanden jetzt auch weitere Gemeindegruppen: Ein Posaunenchor (1959), ein Mütter- und Abendkreis (1961). Einen Frauenchor gab es bereits seit 1951. Leider kam es in den folgenden Jahren zu theologischen Auseinandersetzungen (Tauflehre) und leidvollen Spannungen (Fragen des christlichen Lebensstiles) zwischen der EC-Gruppe und dem Ortspfarrer. Dem erschien es schließlich unmöglich, dass sich diese Gruppe weiterhin in kirchlichen Räumen versammelte. Unter großen finanziellen und persönlichen Opfern der Mitglieder und Freunde wurde deshalb in den sechziger Jahren ein eigenes EC-Heim am Ort errichtet. Nun war die entstandene Distanz auch äußerlich sichtbar. Für unsere verhältnismäßig kleine Gemeinde ist aber ein gutes Miteinander aller Gemeindegruppierungen dringend erforderlich. Glücklicherweise hat sich die EC-Gruppe mit Errichtung der eigenen Versammlungsstätte nicht vom kirchlichen Leben zurückgezogen, sondern weiter, etwa auch im Presbyterium, aktiv und verantwortlich mitgearbeitet.

 

Als die Gemeinde 1970 ihre Selbständigkeit erhielt, wurde der Bau eines Gemeindehauses beschlossen. Nach fast zweijähriger Bauzeit konnte es 1972 am Sonntag Lätare durch Superintendent Niederbremer eingeweiht werden.

 

Etwa zur gleichen Zeit erlaubte die politische Gemeinde, die hinteren Räumlichkeiten der neuen Bonneberger Schule als Kindergarten zu nutzen. Der Evangelische Kindergarten Bonneberg wird seit dieser Zeit als Zwei-Gruppen-Einrichtung geführt und erreicht fast alle Vorschulkinder des Ortes. Er bietet eine gute Möglichkeit, die Kinder schon früh mit den christlichen Glaubensinhalten und dem Leben der Kirchengemeinde bekanntzumachen.

 

In den siebziger Jahren wurde der Wunsch der Bonneberger Vereine Wirklichkeit, eine Gedenkstätte für die Gefallenen und alle Opfer der Weltkriege zu errichten. Am Volkstrauertag 1976 konnte auf der Anlage vor dem Gemeindehaus der Gedenkstein seinem Zweck übergeben werden. Er trägt die Inschrift „Gestorben zum Leben — Begraben zur Auferstehung". Seit dieser Zeit haben die Kranzniederlegungen am Gedenkstein durch die Ortsvereine Tradition.

 

In ihrer kurzen Geschichte ist die Jubilate-Kirche schon mehrfach renoviert worden. So wurde beispielsweise der alte Kirchenvorraum zu einer Empore umgestaltet und eine Orgel durch die örtliche Orgelbaufirma Steinmann in Wehrendorf installiert. Am 2. Advent 1979 konnte sie in einem festlichen Gottesdienst durch zwei Organisten aus den USA und Japan eingeweiht werden. Die Orgel passt architektonisch und klanglich hervorragend zum Kirchenraum.

 

Eine weitere einschneidende Veränderung war der Einbau neuer Kirchenfenster im Herbst 1988, die von dem Löhner Künstler Bohatschek gestaltet worden sind. Die drei Hauptfenster zeigen in Form und Farben Darstellungen und Deutungen der wichtigsten Stationen aus dem Leben Jesu: Geburt, Passion und Auferstehung. Die kleinen Fenster zeigen alttestamentliche Motive sowie die vier Evangelisten in altkirchlicher Symbolik.

 

Besonders zu erwähnen ist schließlich noch der gemeindeeigene Friedhof. Er wurde schon 1929 angelegt und befindet sich heute etwa eine halbe Stunde Fußweg von der Kirche entfernt. Die Trauerfeiern finden in der Jubilate-Kirche statt. Anschließend zieht dann der Tauerzug durchs Dorf bis zum Friedhof. Der weite Weg ist bei schlechten Witterungsverhältnissen sehr beschwerlich und macht vor allem den älteren Gemeindegliedern große Mühe.

 

In der kleinen Bonneberger Gemeinde gibt es viele Mitarbeiter/innen, ohne deren Einsatz das Leben der kirchlichen Gruppen und Vereine undenkbar wäre. Sie engagieren sich in folgenden Chören und Gruppen: Kinderchor, Gemischter

Chor, Posaunenchor, (Gitarrenkreis, Mini Club, Laienspielgruppe, Teestube, Kindergottesdiensthelferkreis, Frauenhilfe, Mütter- und Abendkreis.

Die vielfältigen Aktivitäten in der Gemeinde dienen dazu, die gute Nachricht von Jesus Christus weiter zu tragen.

 

Martin Streich

 

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung dem Buch „Kirche an Weser und Werre“ (1991) entnommen.

Dieses Buch ist nicht mehr im Handel erhältlich.