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Fortsetzung:
So hatte alles begonnen: Die
britischen Militärs unterbanden zunächst Wilhelm Meyers
Expansionsbestrebungen, der Ausbau seiner Maschinenhalle wurde
immer wieder gestört. Drehbänke und Fräsmaschinen sollte Wilhelm
Meyer abgeben, doch seine Kontakte zum VdK (Verband der
Kriegsversehrten), die über die Rollstuhlproduktion zustande
gekommen waren, ermöglichten es dem Unternehmer, seine Maschinen
zu behalten. Er durfte weiterbauen! In den Köpfen von Wilhelm
Meyer und seinem Konstrukteur Ernst Hoberg war der Gedanke
geboren, einen Krankenfahrstuhl mit Motor zu bauen, eine
Mischung zwischen einem Rollstuhl herkömmlicher Prägung und
einem Automobil.
Erste Versuche startete man 1947.
Ein gebrauchter „Hanomag-Kommißbrot", der aus dem Jahre 1929
stammte, wurde aufgekauft. Konstrukteur Hoberg stattete den
gebrauchten Wagen mit einem einzelnen Vorderrad aus. Doch bei
ersten Versuchsfahrten hatte Wilhelm Meyer mit dem dreirädrigen
Fahrzeug einen Unfall. Folgen waren ein Totalschaden an dem
Vehikel und die Erkenntnis, dass ein Heckmotor nicht die
richtige Motorisierung darstellte.
Aus der „Schmiede" Meyer-Hoberg
kam anschließend ein dreirädriges Fahrzeug, welches über einen
200- Kubikzentimeter-Motor verfügte - vom Aussehen mutete es von
vorn wie ein Motorrad an, von hinten
aber hatte es die Züge eines Automobils. Die Lenkung erfolgte
indirekt über einen Motorradlenker die drei Pferdestärken des
Fahrzeugs wurden via Kette an die Hinterräder „transportiert".
Die Konsumgütermesse, in Frankfurt 1948 ausgerichtet, wurde zum
Ort der Präsentation, wobei man auf eine erstaunliche Resonanz
stolz sein konnte - man hatte Aufsehen erregt. Der sogenannte
„Meyra 48" wurde von vielen Schwerkriegsbeschädigten geordert. Das
Fahrzeug ermöglichte ihnen nach den schweren Kriegsjahren mit
vielen persönlichen und gesundheitlichen Schicksalsschlägen ein
unabhängigeres Leben.
Im August 1948 begann die
Serienfertigung, dazu war eine größere Halle errichtet worden.
In Fünfergruppen wurden die aufgebockten Chassis komplettiert,
man kam an Spitzentagen auf eine Tagesproduktion von immer- hin
sieben Exemplaren. Die Kriegsversehrten
waren der Hauptkundenkreis, alle hatten einen Anspruch auf einen
Rollstuhl. Wer aber Meyers dreirädrigen Krankenfahrstuhl ordern
wollte, der musste aus dem eigenen Portemonnaie stattliche 1.000
Mark hinzugeben. Bei schlechtem Wetter war der offene Wagen aber
nicht zu nutzen. Deshalb forderten viele Briefschreiber den
Firmeninhaber auf, ein Verdeck zu entwickeln. Man wollte eben
auch bei Schmuddelwetter die Mobilität gewährleistet haben.
Im Herbst 1948 wurden die
ersten Fahrzeuge mit Stoffverdeck gebaut, missfielen aber
Wilhelm Meyer. Er fühlte sich von ihrer Optik an Kinderwagen
erinnert. Das war das Ende der Serienproduktion des „48" mit
Verdeck.
Im Sommer 1949 erreichte Wilhelm
Meyer ein Ruf aus dem fernen Indonesien. Ein Händler bat ihn,
Rikschas für ihn zu fertigen. Gesagt, getan: Ernst Hoberg machte
sich ans Werk. Vollverkleidet, mit einem Motor auf dem Einzelrad
vorn und einer Frontscheibe aus Zelluloid - so sah sie aus die
Rikscha aus heimischer Fabrikhalle. Der Fahrer saß vorn, die
Passagiere dahinter. Der Clou: Eine Frontscheibe aus Zelluloid!
30 Fahrzeuge waren ausgeliefert, da begannen die Reklamationen.
„Der Schweiß des vorn sitzenden Kulis weht in die Gesichter der
Fahrgäste im Fond des Fahrzeuges", so lautete der Tenor der
Beschwerden.
Bis zum Jahre 1952 wurde der
„Meyra 55" gebaut, 194 der
Autos waren abgesetzt worden. Der Mittelmotor hatte sich als
nicht optimal herausgestellt, denn er erschwerte den Versehrten
den Ein- und Ausstieg aus dem Fahrzeug. Im
September 1952 präsentierte Meyra
schließlich die Weiterentwicklung des Autos - und jetzt
war es ein richtiger Kleinstwagen mit allen dazugehörigen
Merkmalen.
Sieben Pferde
Ausgestattet war der Wagen mit
einer Fronthaube, die das Vorderrad verdeckte, außerdem konnten
nach erfolgter Verbreiterung der Spur auch zwei Passagiere ohne
weiteres nebeneinander sitzen. Ausgestattet war der Wagen mit
einem Baker & Pölling-Motor, der es bei 250 Kubik auf stolze
sieben Pferdestärken brachte. Damit war das kleine Fahrzeug in
der Lage, in der Stunde stattliche 70 Kilometer Straße unter die
Räder zu nehmen.
Revolutionär war die
Verbundglasscheibe, bestehend aus zwei sorgsam aufeinander
geklebten Einzel-Glasscheiben - sie wurden im Hause Meyra
produziert- Erhältlich war das Fahrzeug je nach Kundenwunsch mit
Autolenkrad oder Motorradlenkstange. 3.030 Mark kostete das
Auto. Ein Lloyd, in dem vier Insassen Platz hatten, war
unwesentlich teurer.
Ernst Hoberg war in seinem
Ideenreichtum noch nicht gebremst. Im Frühjahr des Jahres 1953
bastelte er an einem offenen, zweisitzigen Fahrzeug mit zwei
Vorderrädern und einem Hinterrad. Die Karosserie war
pontonförmig. Bei Testfahrten wurde eine zu starke Kippneigung
festgestellt. Folge: es wurde ein vierrädriges Cabriolet
entwickelt. Zwei innen liegende Scheinwerfer, 15-Zollräder und
ein Motor von einem Viertelliter Hubraum - so die Ausstattung.
Dies sollte der Einstieg in die Autoindustrie sein, da die
Lieferzeiten der Autobauer gerade besonders lang waren. Wegen
einer von der Firma Karmann als zu teuer bewerteten
Serienfertigung der Karosserie musste wieder neu getüftelt
werden. Es entstand der Gedanke, Seitenkotflügel und Fronthaube
aus einem Blech „zu schneidern", die Frontschnauze wurde
angeschweißt. Das aufwendig herzustellende, weil sehr stark
abgeschrägte Heck blieb der Problemfall. Das Schrägheck wurde
„verworfen", es blieb ein kleines Cabriolet mit pummeligem
Äußeren - in Serie aber gelangte es nicht. |
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drei Prototypen hinter sich,
sogar bis nach München. Der „Meyra 200",
bestechend durch seine Geräumigkeit, kostete 2.200 Mark. Das
Debüt fiel hinter die Zeit der Automobilmessen. Die Konkurrenz
durch „Messerschmidt-Kabinenroller", den „Kleinschnittger 125"
und der „Lloyd 400" setzte sich jedoch besser durch. Nur 50
Fahrzeuge wurden verkauft.
Wenn Wilhelm Meyer nur: Autos
hergestellt hätte, wäre er in diesen Jahren wohl unweigerlich in
eine Firmenpleite geschlittert. Krankenfahr-Stühle blieben die
Geschäftsbasis. Und er hatte weitere Ideen, um seine Autos zu
verbessern.
Offene Münder
Nachdem er von
Kunststoffkarosserien (wurden in den USA für die Corvette von
Chevrolet verwendet) gehört hatte, wandte er sich an die Firma
BASF. Zutaten für Kunststoff nahm er von dort mit und
experimentierte selbst. Erstmal wurden gerade Platten
hergestellt, sobald das klappte, baute man die Türen aus
Kunststoff - für den „Meyra
200".
Im Juli des Jahres 1954 fuhr
Wilhelm Meyer mit der Tür gen Ludwigshafen - offene Münder
staunten ihn dort an. Im Februar 1955 entstanden drei neue
Prototypen mit einer Hülle aus Kunststoff. Bei einer Testfahrt
kam es zu einem
Unfall. Der als Testfahrer
eingesetzte Schwiegervater blieb unverletzt, in der Karosserie
zeigten sich aber Risse. Wilhelm Meyer führte dann sogar
„Crashtests" durch, fuhr mit 30kmh gegen eine Mauer.
Bei der Deutschen Industriemesse
im Jahre 1955 in Hannover wurde der „Meyra
200-2" zu einem viel bestaunten Objekt. Selbst
Bundespräsident „Papa" Theodor Heuss bestaunte den Kleinwagen.
Doch die Konkurrenz durch die behindertengerecht ausgestattete
Isetta war zu groß, nach der IAA 1955 beschloss er, die
Produktion der Autos einzustellen. 500 Bestellungen lagen noch
vor, jedes Auto hätte ihm 200 Mark Verlust gebracht. Meyer
hoffte, die Bestellungen zurücknehmen zu können, verlor jedoch
einen Musterprozess und musste alle Bestellungen auch liefern.
Die letzten Wagen bekamen einen 350-Kubik-Motor, hatten 14 PS.
Mitte 1956 waren die Restposten gebaut, die
Produktion des Kleinwagenbaus wurde
dann
eingestellt.
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