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Der Vorgang des Brennens war unterschiedlich. Das hing davon ab,
ob der gebrannte Kalkstein bzw. Muschelkalk für Bauzwecke oder
als Düngemittel verwendet werden sollte.
Der für Bauzwecke bestimmte Kalk musste vorher noch von dem am
Bau Beschäftigten „gelöscht" werden, um ihn weich und
geschmeidig zu machen. Zu diesem Zweck wurde er ursprünglich
tagelang „eingesumpft“. Das ging so vor sich, dass ein
bedarfgerechtes Erdloch ausgehoben, mit gebranntem Kalk und mit
einem „Wasserüberschuss“ gefüllt wurde.
In Spitzenzeiten, wie beispielsweise im Jahre 1888, betrug die
Zahl der für die Kalkbrennerei Beschäftigten immerhin 16
Arbeiter. Bei einer Arbeitszeit von täglich zwölf Stunden ergab
das einen wöchentlichen Lohn von elf Mark. Er entsprach
umgerechnet einem Gegenwert von 22 „großen Graubroten". 145
Jahre lang wurden beide Kalköfen betrieben. Die Eigentümer
wechselten auffallend häufig. Im Jahre 1801 ließ der Kaufmann
Mühlenfeld, der auch eine Öl- und Graupenmühle besaß, am Fuße
des Paterberges die beschriebenen Kalköfen errichten. Nach einem
unabwendbaren Konkurs erwarb der Kaufmann Hildebrand 1842 die
Kalköfen. Bald darauf starb er. Seine Frau hielt zunächst den
Kalkofen-Betrieb aufrecht, bis sie im Jahre 1865 gezwungen war,
ebenfalls Konkurs anzumelden.
Die Kalköfen wurden dann von dem in Hannover wohnenden
Gutsbesitzer Adickes, dem Vlothoer Kaufmann Hoening und dem in
Vlotho praktizierenden Arzt Dr. Voß übernommen. Ihre
Nachfolgeschaft traten der Kaufmann und Papierfabrikant Heinrich
Süllwald und dessen Sohn Carl an. Letzter Eigentümer der
Kalköfen war schließlich nach dem II. Weltkrieg der
Elektroingenieur Fritz Kahre aus Wehrendorf. Er legte 1945 den
unteren Kalkofen (von der Innenstadt aus gesehen) still. 1958
gab er auch den anderen Kalkofen auf, obwohl er 1946 noch
veranlasst hatte, ihn durch einen aufwendigen, technisch modern
ausgestatteten Neubau (siehe rechtes Foto) zu ersetzen. Der
unaufhaltsame Fortschritt hatte halt seinen unternehmerischen
Ehrgeiz überholt. Auf den Grundstücken, die seinerzeit der
Kalkbrennerei Raum gaben, ließ Kahre das Wohnhaus Herforder
Straße Nr. 33 und die Tankstelle Herforder Straße Nr. 37
erbauen.
Das rechte Foto zeigt den Kalkofen an der Herforder Straße nach
der Schließung. Foto 1960. Der Kalkofen wurde im Mai 1970
abgerissen.
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