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Herforder Straße als Prachtstraße
Der Stadtverwaltung wurde damals vorgeworfen, dass der aufwendige Straßenbau der Herforder Straße mit Begrünung nur darin begründet war, um die extrem hohen Baukosten der nahen Bürgerschule zu kaschieren, welche am 31. Januar 1910 eingeweiht wurde. Schließlich belasteten die Schulbaukosten die Stadt mit der fast erdrückenden Ausgabe von 300.000 Reichsmark. Diese Summe entsprach zur damaligen Zeit umgerechnet dem Gegenwert von 33 Einfamilienhäusern zum Einzelpreis von 9.000 Reichsmark - in der überkommenen Umgangssprache, die meistens noch gebräuchlich war, hieß es stattdessen viel einprägsamer: 3.000 Taler. Die Ulmen-Allee würde gewiss auch heute noch ihren Reiz ausüben, wenn sie nicht von der so genannten Ulmenkrankheit heimgesucht worden wäre. 1941/42 hatte die Krankheit, die auf einer vom Ulmensplintkäfer übertragenen Seuche zurückzuführen war, zur Folge, dass die Baumriesen radikal ausgerottet wurden.
Auf der rechten Straßenseite treten vier Häuser in Erscheinung, die vor dem I. Weltkrieg folgende Zwecke erfüllten: Im hell getönten unteren Doppelhaus, Herforder Straße Nr. 10 und Nr. 12 (heute u. a. orthopädische Werkstatt Fette), unterhielt Erich Kambartel eine Sattlerei, die vornehmlich beim Kauf und bei der Reparatur von Pferdegeschirren in Anspruch genommen wurde.
Im nächsten Haus, Nr. 14, wohnte die Familie des jüdischen Handelskaufmanns Gutmann.
Der Eigentümer des nächstfolgenden Hauses, Nr. 16 (heute Polstermeister Delius), war der Kaufmann August Kleine, der dort ein Kolonialwarengeschäft betrieb. (Eine erwähnenswerte Seltenheit: Seine drei Töchter waren unterschiedslos bei der „Deutschen Post" als „Fräulein vom Amt" beschäftigt).
Das Vierte in der Reihe der Häuser, Nr. 18, bewohnte u. a. der Polizei-Sergeant Kleine, der Vater des ehemals am Vlothoer Amtsgericht tätigen Justizoberamtsmanns Wilhelm Kleine.
Das helle Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Nr. 15 (später Rechtsanwälte Niemeyer, Dr. Brauntmeier), bewohnte der Miteigentümer der Zigarrenfabrik Saatmann & Bödecker, Julius Saatmann. Unmittelbar neben dem Grundstück, getrennt durch eine Betonmauer, führte die Gartenstraße (heute nennt man sie Gärtnerstraße) nach dem „Kalbergarten". Auf dem nächstfolgenden Grundstück. Nr. 17 (zuletzt Gastwirtschaft „Bürgerklause“), hatte sich der Baumeister und Bauunternehmer Carl Tengeler niedergelassen. In dem etwas am Hang liegenden Haus, von dem man kaum mehr als einen Teil des Giebels wahrnehmen kann, wohnte der Zigarrenfabrikant Paul Bödecker (später der Zigarrenfabrikant Hellhake und der Arzt Dr. Wex).
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