Schule Exter

 

Über das erste Schulhaus berichtet, wie Dr. Großmann festgestellt hat, eine Akte des Staatsarchivs Münster folgendermaßen: „Ein geringes Küster- oder Schulhaus, ohnweit vom Kirchhofe gelegen. Dann vorhanden ein eiserner Ofen, wie auch ein Tisch behuf dem Küster und zwei Bänke behuf der Schulkinder." Mancher wohlhabende Zeitgenosse lästerte: „Sparsumkuit verlott mui nich, eck well ju treulik dinen!"

 

Als erster „ordentlicher Lehrer" wird Johann Henrich Puls genannt, der von 1693 bis 1709 in Exter unterrichtete. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in Vlotho und Valdorf, die zum größten Teil ihre Gehälter aus dem Vermögen des aufgelösten Klosters Segenstal in Vlotho bezogen, war er auf Schulgeld angewiesen, das von den Eltern aufgebracht werden musste. Es betrug für Kinder, die nur das Lesen erlernten, 24 Groschen jährlich, und für Kinder, die auch das Schreiben erlernten, einen Taler jährlich. Hinzu kamen noch vier Groschen Opfergeld an den kirchlichen Festtagen.

 

Viele Eltern verzichteten auf jeglichen Schulbesuch ihrer Kinder. Andere Väter und Mütter ließen die Kinder, wie zum Beispiel während des Siebenjährigen Krieges, weil ihnen der spätere Lehrer Holzapfel nicht zusagte, in drei „Winkelschulen" unterrichten. So soll Holzapfel, wie es aus der Inschrift eines Grabsteines hervorgeht (er starb am 4.6.1762) „vor Hunger verschmachtet sein".

 

Bau eines zweiten Schulhauses (1798)

1798 wurde für 380 Taler ein neues Schulhaus gebaut Es war wie das erste im Stil eines Bauernhauses errichtet und mit Stroh gedeckt worden. In dem 13 Meter langen und elf Meter breiten Bau befand sich als größter Raum die Schulstube, die das quadratische Maß von 5,30 mal 5,30 Meter aufwies. Über der Tür war zu lesen: „Der Segen Gottes ruht nicht allein auf diesem Gebäude, sondern auch auf allen, die daran gebaut haben".

 

Eine Inschrift über der Deelentür lautete: „Im Jahre 1798 hat Gott es so gewendet, daß dieser Bau vollendet".

 

1819 beantragte Kantor Husemeyer eine Vergrößerung der Schulstube mit der Begründung, dass sie für 140 Kinder viel zu klein und zu niedrig sei. Sie müssten im Knien auf den Bänken schreiben, und „ich selbst habe kaum Platz zum Stehen". Nach einer ellenlangen Schreiberei zwischen dem Antragsteller und den die Mittel bewilligenden Stellen kam endlich 1825 der Erweiterungsbau zustande. Das Ergebnis: Ein neuer Klassenraum quer vor der Küsterwohnung, der doppelt so groß war wie der bisherige. Auf der Kostenseite erschien ein Betrag von 472 Taler. Als 1836 ein Hilfslehrer angestellt wurde, erfolgte eine Aufteilung des neu gewonnenen Klassenraumes, indem man einfacher weise eine Zwischenwand einzog.

 

Zum baulichen Bestand des Schulhauses gehörten auch ein Backhaus und ein Schweinestall. 1847 ließ Kantor Schaaf auf seine Kosten noch für einen Heuerling eine Wohnstube und eine Kammer anbauen. Er zögerte nicht, seine Handlung mit folgenden erhellenden Worten zu beantworten: „Ich brauche diesen Mann zum Läuten, zur Verrichtung landwirtschaftlicher Arbeiten und zu meiner Geselligkeit, da ich so isoliert wohne". Das Backhaus wurde nach einem Brand im Jahre 1857 etwas vergrößert wieder aufgebaut.

 

Bau des dritten Schulhauses (1881)

Die Regierung forderte 1877 gebieterisch eine Erweiterung des Schulhauses zur Ermöglichung eines dreiklassigen Unterrichts und zur Schaffung von zwei Wohnungen, davon eine für einen verheirateten und eine für einen unverheirateten Lehrer. Da die Gemeinde, eine bauliche Veränderung des Schulhauses für unzweckmäßig hielt, entschied sie sich für einen Neubau. Das beim Abbruch des Altbaues anfallende Material wurde für 900 Mark „losgeschlagen", also verkauft. Der Schulneubau, der zwei Klassenzimmer und zwei Lehrerwohnungen aufwies, verursachte einen Kostenaufwand von 17.000 Mark. Er wurde am 14.10.1881 nach einer Bauzeit von kaum einem halben Jahr großfeierlich eingeweiht.

 

Schließlich sah sich die Kirchengemeinde eines Tages veranlasst, einen Teil des neuen Schulgebäudes als Eigentum zu beanspruchen. Der Grund für das Warum ist nicht auszumachen. Die Gemeinde verweigerte aber hartnäckig ihre Zustimmung. Das führte zu einem Prozess, der in letzter Instanz, nämlich vor dem Reichsgericht, zugunsten der Gemeinde Exter entschieden wurde.

 

Erste Schulerweiterung (1893)

Schon nach Ablauf von zehn Jahren drängte die Regierung mit Rücksicht darauf, dass die Schülerzahl auf 271 gestiegen war, auf die Anstellung eines dritten Lehrers und den weiteren Ausbau des Schulhauses. Zunächst hatte man erwogen, auf dem „Sanderplatz" im Bereich der Steinegge eine „Abbauschule" für die unteren Klassen zu bauen. Statt dessen wurde neben der Schule ein einklassiges Schulhaus mit einer Wohnung für einen unverheirateten Lehrer errichtet. Es war im November 1893 bezugsfertig, nachdem es das Gemeindesäckel um 4.390 Mark erleichtert hatte.

 

Im Jahre 1909, als sich die Schülerzahl inzwischen auf 303 erhöht halte, drängte sich erneut das Raumproblem auf. So auch verstärkt vier Jahre später. Die These, einem Neubau das Wort zu reden, verwarf man mit der Einlassung, dass man mit einer Verringerung der Schülerzahl rechnen könne. Ausgangs des Jahres 1920 allerdings kam die Steinegge doch noch zu einer Abbauschule. Warum der Sinneswandel? Die Kirchengemeinde hatte die Benutzung des beim Pfarrhaus gelegenen Konfirmandensaales für Unterrichtszwecke (eine Folge der abermals gekletterten Schülerzahl) mit Wirkung ab Mitte 1923 gekündigt. Als Ausgleich dessen wurde behelfsweise der Nachmittagsunterricht eingeführt.

 

Zweite Schulerweiterung (1925)

Da der erneute Versuch, den Konfirmandensaal wieder für schulische Zwecke benutzen zu dürfen, jedoch am Widerstand der Kirchengemeinde scheiterte, forderte die Regierung einen Schulneubau. Sie würde sich daran mit einem Sonderzuschuss

 

 beteiligen, gab sie großzügigerweise zu verstehen. Eine ins Gespräch gebrachte Erweiterung der Abbauschule auf der Steinegge lehnte sie nachdrücklich ab. Am 6. September 1924 fasste die Gemeindevertretung dagegen mit knapper Mehrheit den Beschluss, die bereits neben der offiziellen Schule errichtete einklassige Schule auszubauen. Gegen das Vorhaben protestierten die Bewohner der Steinegge jedoch nach allen Regeln - sogar beim Kultusminister. Aber vergeblich... Am 27. August 1926

 

Alte Schule um 1928.

wurde der geplante neue Schulteil seiner Bestimmung übergeben. Das Erdgeschoß bestand aus zwei Klassenräumen und ein Obergeschoß aus zwei Wohnungen für unverheiratete Lehrer. Die Räume wurden später zu einer Wohnung für den Hauptlehrer bzw. Rektor zusammengelegt. Alles in allem waren Baukosten in Höhe von 27.500 RM fällig gewesen.

 

Dritte Schulerweiterung (1950)

Die Folgen des II. Weltkrieges hatten zu einer Zuwanderung von Vertriebenen nach Exter geführt. Das bewirkte, dass die Einwohnerzahl von 1729 (im Jahre 1939) auf  2361 (im Jahr 1950) und die Schülerzahl entsprechend anstiegen, so dass mehr Schulraum geschaffen werden musste. Ungeachtet mancherlei Widerstandes beschloss die Gemeindevertretung, den alten Schulbau 1950 zu vergrößern, und zwar um zwei Klassenräume, einen Gruppenunterrichtsraum, eine Aula, ein Lehrerzimmer und um eine Lehrerwohnung. Nicht genug damit…

 

Neubau des vierten Schulhauses

 Im Jahre 1963 wurde dann endlich das derzeit noch genutzte Schulgebäude erbaut. Es ist ausgestattet mit acht großen Unterrichträumen, den nötigen Nebenräumen, einer Turnhalle und einer Hausmeisterwohnung. Der Beschluss zu diesem Bauvorhaben basierte nicht auf einer etwa noch gestiegenen Schülerzahl, sondern auf der Erkenntnis, neuzeitliche Forderungen im Bildungsbereich und geringere Klassenstärken erfüllen zu können.