Obere Reihe, Vorderseite

Untere Reihe, Rückseite mit Geldscheinnummer

 

 

Vlothoer Notgeld 1921

 

Kurz vor der Inflation nach dem ersten Weltkrieg waren die Zahlungsmittel knapp. Vor allen Dingen fehlte es an kleinen Scheidemünzen. Aus diesem Grunde entschlossen sich die Vlothoer Stadtväter, Notgeldscheine auszugeben. Im April 1921 entwarf der Detmolder Künstler Supan kleine bunte Scheine, die in Hannover gedruckt und von der Stadtkasse Vlotho ausgegeben wurden. Manch Vlothoer Bürger mag solche Scheine noch als Rarität in seinem Besitz haben. Die Stadtsparkasse Vlotho stellte uns jetzt einige Exemplare freundlicherweise zur Verfügung, die hier beschrieben werden sollen: Den kleinsten Wert stellte der 10-Pfennigschein dar. Er war 7,4 cm lang und nur 5,8 cm breit, von oliv-grüner Farbe mit schwarzer und roter Aufschrift. Auf der Vorderseite prangte das Vlothoer Wappen (rot-weiß-grün) die Sparren und die untere Hälfte waren rot. Als Umschrift finden wir den Text: Wie unter den Blumen die Lilie man als die schönste fand: So Vlotho unter den Städten im Ravensberger Land. Der Aufdruck 10 war rot im weißen Kreis. Die Rückseite, ebenfalls oliv-grün zeigte auch die rote Zehn auf weißem Grund und trug die schwarze Schrift: Gutschein über zehn Pfennige. Unterschrieben waren alle Notgeldscheine vom Amtmann Dr. Schildwächter und dem Gemeindevorsteher Struck. Sie enthielten auch eine schwarze Geldscheinnummer.

 

 

Der zweite Geldschein lautete über 25 Pfennig. Er war von gelb-beiger Farbe und zeigte ein schönes Bild, das Vlotho mit der Weser und dem Amtshausberg darstellte. Unter einem Baum saß ein Lautenspieler. Als Umschrift finden wir den Anfang des Weserliedes von Dingelstedt: „Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen." Die Rückseite dieses 25-Pfennigscheines, der übrigens die größte war, (8,3 cm Länge und 6 cm Breite) zeigt eine grüne 25 im weißen Kreis.

Der bekannteste aber unter den Notgeldscheinen ist der im Wert von 50 Pfennig, 6 cm breit und 7,9 cm hoch. Er zeigt das lustige Minskemännchen mit der großen Zigarre und dem Knotenstock. Das Männlein mit braunem Mantel und Mütze, roter Weste und weißen Strümpfen steht vor Vlothoer Häusern mit roten Dächern. Damals schon entstand der Werbeslogan: „Minske, wat schmickt de Zigarr fin: de kann doch nur ut Vlauthe sin!" Die Rückseite dieses grau-grünen Scheines ist mit roter Schrift: „Gut für 50 Pfg." auf weißem Grund versehen. Ein braunes Rankenornament umgibt die Schrift. Auf allen drei Scheinen befindet sich folgende Versicherung: Die Stadtkasse löst diesen Gutschein ein. Er wird ungültig einen Monat nach öffentlicher Aufkündigung.

 

750 Jahre alte Sterlingpfennige, 60-jähriges Notgeld und 36-jährige Ersatzbriefmarken haben ihren Beitrag zur Geschichte unserer Stadt Vlotho geleistet.

 

Quelle:

Vlothoer Impressionen

Verlag, Deppe + Hölscher, Vlotho