Alle Abbildungen auf dieser Seite, wurden mir freundlicherweise

vom Preußen-Museum in Minden zur Verfügung gestellt.

 

Diese Abbildungen zeigen das Erscheinungsbild der preußischen Soldaten Mitte des 18. Jh.

 

 

Soldat (Grenadier)

 

 

Unteroffizier

 

 

Offizier

 

 

 

Vlotho als Garnisonstadt  1795 -1806

 

Fortsetzung:

 

1799 kam dann die Invalidenkompanie des Hauptmanns v. Rappard nach Vlotho, deren Dasein eigentlich mit der Auflösung des Regimentes nach der Niederlage von 1806/07 beendet war. Da aber die Soldaten dieser Kompanie nicht mehr felddienstfähig waren, hatten sie an dem Feldzug (Schlacht bei Jena) nicht teilgenommen, sondern waren in Vlotho geblieben. Dort hielten sie auch noch die Stellung, als Vlotho längst zum Königreich Westfalen gehörte, woraus sich die Eintragungen bis 1810 erklären.

 

Unterbringung in Bürgerquartieren

Über die Stärke der Kompanie wissen wir nichts. Es mögen vielleicht 40-50 Mann gewesen sein, die in Bürgerhäusern untergebracht waren. Der Hauptmann v. Rappard hatte von der Stadt die Wohnung im alten Rathaus über dem Keller gemietet. Die übrigen Quartiere - es werden im Kirchenbuch allerdings nur 21 Hausnummern genannt (damals gab es in Vlotho keine Straßennamen sondern nur Hausnummern) - lagen meist in der untersten Langen Straße bis zur Werderstraße.

In zwei kleinen Häusern in der Mühlenstraße und auf dem Oelbrink. Außerdem wohnte ein Musketier* in der Schule. Die Mieten in den besseren Bürgerhäusern in der oberen Langen Straße und in der Weserstraße waren den Soldaten sicherlich zu hoch.

 

 

Musketier mit 80 Jahren

Von höheren Dienstgraden werden nur ein Feldwebel und drei Unteroffiziere genannt, von denen der eine 1805 mit 87 Jahren starb. Alle anderen Soldaten waren Musketiere geblieben, auch wenn viele von ihnen schon unter Friedrich dem Großen den Siebenjährigen Krieg mitgemacht hatten. Die Zeit, in der sie als „lustige Brüder mit frohem Mut" den preußischen Fahnen gefolgt waren, lag also schon recht lange hinter ihnen. Und die Vlothoer Mädchen dürften auch wohl kaum Gefallen daran gehabt haben, dass diese alten Knacker ihnen gut waren.

Dem hohen Alter dieser Veteranen entspricht auch die Art der 47 Eintragungen im Kirchenbuch. Sie verteilen sich nämlich auf 31 Sterbefälle, neun Trauungen und sieben Taufen. Bei den Trauungen handelt es sich in den meisten Fällen um zweite oder sogar dritte Ehen. Unter den Sterbefällen sind auch die der Frauen und Kinder eingetragen.

 

Gemeiner** und Offizier vom Infantrie-Regiment Nr. 10, dass

 eine Zeit lang in Vlotho

stationiert war.  1795 - 1806

Diese Berufssoldaten waren keineswegs alle Preußen. Denn das preußische Heer setzte sich damals nur zum Teil aus Landeskindern zusammen. Es hatte zwar jedes Regiment einen bestimmten Ersatzbezirk oder Kanton. Die für den Dienst vorgesehenen Leute waren die Kantonisten, von denen es allerdings manche vorzogen, sich der Dienstpflicht durch Flucht ins benachbarte Ausland, z. B. Lippe, zu entziehen. Aus diesem Ausland, d. h. den anderen deutschen Ländern, stammten die angeworbenen Soldaten und die meisten der Vlothoer Invaliden. Als ihre Heimatorte werden genannt: Hannover, Hunteburg, Jena, Weimar und Wertheim.

 

Völlig unklar sind die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser alten Soldaten, so z. B. die Höhe ihrer Löhnung. Vermutlich hatten sie, soweit sie dazu noch in der Lage waren, noch eine Nebenbeschäftigung. Genau wissen wir das nur von der Frau des Unteroffiziers Vogel, die aus Stuttgart stammte und am 16. 8.1801 abends durch einen Sturz von der Treppe ums Leben kam. Sie beschäftigte sich nämlich mit „Wicken*** und Wahrsagen", was sie noch am Nachmittag vor ihrem Tode getan hatte, wie der Pfarrer im Kirchenbuch vermerkte.

 

Dr. Großmann

 

* Musketiere waren im Laufe des 16. Jahrhunderts bis Ende des 17. Jahrhunderts schwerbewaffnete Fußsoldaten und Teile der Kavallerie. Benannt wurden sie nach ihrer Waffe, der Muskete.

 

** Im Militär wurde früher als Gemeiner bezeichnet, wer dem Kriegsvolk als dienstgradloser einfacher Soldat angehörte. Die Bezeichnung war vom 18. bis ins 20. Jahrhundert üblich.

 

*** Ob das Wort „Wicken" in der hiesigen Mundart heute noch gebraucht wird ist fraglich. Im Mittelhochdeutschen bedeutete es: zaubern oder wahrsagen.