Fortsetzung:

 

Das erste Automobil in Vlotho besaß Wilhelm Sander (1872-1959), Inhaber des an der Poststraße gelegenen Reparaturbetriebes, zunächst für landwirtschaftliche Geräte und Maschinen. Er tätigte 1906 die Anschaffung eines Dürkopp-Wagens (siehe Foto).

 

Es war ein hochbeiniges Vehikel (auf dem Foto dargestellt mit dem hochgeklappten Verdeck und mit dem Stellplatz zwischen dem Betriebsgebäude und dem Wohnhaus). Um das Gefährt überhaupt besteigen zu können, musste man vom Trittbrett noch ein Trittbrettchen herunterklappen. Der Vierzylinder-Motor holte 14 Pferdestärken (PS) aus sich heraus. Die Mini-Scheinwerfer verdankten ihre sparsame Wirkung dem Karbid. Wenn anstelle der vorerst gebräuchlichen Vollgummi-Reifen

 

   Dürkopp PKW, Wilhelm Sander (1872-1959),

der erste PKW in Vlotho. Foto: 1906.

schon die luftgefüllten Schläuche verfügbar gewesen wären - der Fahrkomfort hätte eine beispielhafte Steigerung erlebt. Der Sanderschen Erstanschaffung eines Automobils folgte nach dem Ersten Weltkrieg eine Neuauflage. Der Name des Fabrikates, das in Augsburg hergestellt wurde: „Fafnir". Am Steuer des abgebildeten Wagens (siehe Foto) sitzt Wilhelm Sander jun. (1872-1959).

 

Der Wagen, dessen Motor fast die doppelte Kraft im Vergleich zu seinem Vorgänger auf die Hinterräder übertrug, lässt keinen Zweifel an dem inzwischen eingetretenen wirkungsvollen Fortschritt. Im Hintergrund erkennt man auch besonders an der Dachschräge den Vorbau des Betriebsgebäudes zum Unterstellen des Neuerwerbs.

Bereits im Jahre 1909 bestaunte man in Vlotho die Zyklonette des Buchdruckereibesitzers und Zeitungsverlegers Heinrich Meyer. Es war ein brandneuer Fahrzeugtyp: dreirädig, ein Zweizylinder-Motor auf

der Lenkgabel, ohne Rückwärtsgang, zwei offene Sitze, hinter dem klappbaren Verdeck zwei Notsitze. Der Eigentümer hatte das Verblüffung auslösende Fahrzeug ab Fabrik in Zwickau (Sachsen) gekauft. Egal wie - er hatte nur einige Runden auf dem Fabrikhof gekurvt und kutschierte dann nach Vlotho. Einen Führerschein brauchte er nicht, kannte man dazumal auch nicht. Es genügte, das Dreirad-Automobil bei der Kreisverwaltung in Herford anzumelden.

Was man ihm dort noch zuerkannte,

 

Am Steuer des Autos ist der Maschinenfabrikant Wilhelm Sander (geb1872). Unverkennbar auch der Stolz aller anderen, dass sie zu diesem ,,Wunderwerk der Technik" irgendeine Beziehung hatten, sei es nur, dass sie sich wie der Bückeburger Jäger im Bilde links daran anlehnen durften. Foto: um 1913.

 

 

Farbbild:  Fafnir und Markenzeichen.

war ein beschildertes Kennzeichen: „HF - A 6". Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und etwas später besaßen auch der Arzt Dr. Charton und der Papierfabrikant Fritz Meier ein „Toff-töff'. Ein spaßiger Ausdruck. Wahrscheinlich war er den etwas stotternden Motoren abgelauscht.

 

LKW:

Den ersten Lastkraftwagen im heimischen Bereich benutzte der Papierfabrikant Heinrich Neermann in Kalldorf zum Transport des Altpapiers und des Neupapiers von und nach dem Güterbahnhof in Vlotho.

 

 

 

 

Der Fafnir-PKW von Wilhelm Sander geb. 1872 auf der Poststraße vor der Maschinenfabrik. Am Steuer sein Sohn Wilhelm geb. 1903. Foto: um 1919.

 

 

Heinrich Meier (Pferdehändler) mit

seinem PKW. Foto: um 1926.

 

 

Der erste Opel-Blitz von Holz-Sturhan.

Mit auf dem Bild ist Heinz Kuhlemeier.

Foto: um 1936.

 

Trotz des geringen Straßenverkehrs kam es auch damals zu Karambolagen,

wie hier an der Ecke Weserstraße / Lange Straße. Foto: vor 1936.