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durch die Weser von
dem germanischen Heere getrennt waren und erst über die Weser
sehen mussten, um die Germanen unter Hermann (Armin)
anzugreifen. Tacitus sagt weiter, die Schlacht habe dort
stattgefunden, wo noch Gebirge die Ufer des Weserstroms
begleiten und beengen, folglich südlich von der Porta Westfalica.
Alles das, was Tacitus schreibt, sagt Ledebur, deutet auf die
fast unumstößliche Gewissheit hin, dass diese Schlacht von
Idistaviso 6 nach der Zeitenwende am rechten Weserufer zwischen
Rinteln und Hausberge stattgefunden hat. Tacitus sagt in der
Beschreibung der Schlacht an einer Stelle: „Wo der Strom am
reißendsten war, da brach Cariovald mit seiner batavischen
Reiterei hervor." (Die Bataver waren germanische Hilfstruppen
der Römer.) Also ist daraus zu schließen, dass diese berittenen
Hilfstruppen der Römer an einer Stelle über die Weser gingen,
die als Furt benutzt werden konnte. Dies konnte nur die Weser
bei Vlotho sein, denn die Weserstelle bei Vlotho ist als Furt
seit Jahrhunderten bekannt und von den Schiffern als reißende
Stelle gefürchtet gewesen. Die Stelle hieß im Volksmund „Gosse".
Diese Schlacht bei Idistaviso, die vermutlich also in der
weiteren Umgebung von Vlotho weserauf und weserab stattgefunden
hat und die die Römer als angeblichen Sieg feierten, war, wie
wir geschichtlich heute wissen, ein Verteidigungssieg Hermanns
des Cheruskers, der zur Folge hatte, dass die Römer dieses
germanische Land für immer verließen und nie wieder
zurückkehrten.
Etwa um 800 nach der
Zeitenwende war dieses Land wiederum Schlachtfeld gegen
eindringende Eroberer. Zu der Zeit saßen an Stelle der
germanischen Cherusker hier die niederdeutschen Sachsen und
Engern, die unter ihrem Herzog Widukind den Erobererheeren
Kaiser Karls des Franken Widerstand boten. Auffällig ist sowohl
bei den römischen als auch bei den fränkischen Kriegszügen, dass
sie alle in dieses Gebiet und an die Weser gegangen sind. Diese
Tatsache muss einen besonderen Grund gehabt haben. Einsichtige
Geschichtsforscher stehen auf dem Standpunkt, dass zwischen
Teutoburger Wald und Wesergebirge das Hauptwiderstandszentrum
der Germanen und Sachsen gewesen ist, wo sich auch ihre
religiösen Kultstätten befunden haben, also gewissermaßen der
religiöse, kulturelle und politische Mittelpunkt eines weiten
germanisch-sächsischen Gebietes. Dass sich hier germanische
Heiligtümer befunden haben, ist wohl heute einwandfrei
festgestellt durch die Erforschung der Externsteine bei Detmold.
Einige Heimatforscher vermuten, dass die Externsteine aber nur
ein Teilheiligtum sind, und dass der Mittelpunkt des Gebietes
mehr in der Nähe bei Vlotho liegt. Die Forschungen in dieser
Hinsicht sind aber noch nicht so weit fortgeschritten, dass man
bereits etwas Feststehendes sagen könnte. Ein Heimatforscher
meint, dass sich auf dem Berg Bonstapel in der Gemeinde Valdorf
früher zur Sachsenzeit einmal eine Irminsul befunden habe und
ein anderer Forscher vermutet in diesem Berg Bonstapel den
großen Thingplatz der Sachsen, der den Namen Marklo trug.
Tatsache ist, dass der Berg eine eigenartige Form aufweist und
durch drei kreisrunde Buchengruppen geschmückt ist, deren
Wurzelwerk sehr alt sein muss. Eine vierte Gruppe, die früher
einmal vorhanden war, ist inzwischen niedergeschlagen worden.
Auf der Rückseite des Berges ins Lippische zu lassen sich heute
noch terrassenförmige Abstufungen erkennen. Weiter ist
feststehend, dass unter seiner Kuppe ein alter Hellweg
vorbeiführt, also ein Verkehrsweg aus uralter Zeit.
Als nach Unterwerfung
des Landes durch die Franken unter Kaiser Karl das Christentum
sich ausbreitete, wurden Klöster und Kirchen gegründet. Es ist
heute bewiesen, dass bei der Christianisierung die Mönche und
die kirchliche Obrigkeit mit Vorliebe Kirchen und Klöster,
überhaupt christliche Geistesstätten, an Stellen setzten, wo
früher germanische Kultstätten gewesen waren, um auf diese Weise
die zu Christen bekehrten Sachsen besser an die Kirchen zu
gewöhnen. So finden wir mitten in der Wittekindsburg in der Nähe
der Porta, die eine sächsische Fliehburg war, direkt neben der
Wittekindsquelle eine kleine alte romanische Kapelle aus der
Zeit um 600 nach der Zeitenwende. Inzwischen ist auch bei den
Externsteinen festgestellt, dass diese früher ein germanisches
Heiligtum waren und in der fränkischen Zeit zu einer
christlichen Glaubensstätte umgewandelt worden sind. Im Amt
Vlotho, und zwar in der Gemeinde Wehrendorf, sind bei der
dortigen Kirche die Grundmauern einer alten Klosterkirche
festgestellt worden. Aus der geschichtlichen Überlieferung geht
hervor, dass es sich hier um ein Kloster eines der vornehmsten
geistlichen Ritterorden jener Zeit gehandelt hat, der sonst in
Südeuropa seinen Sitz hatte und im Norden Deutschlands fast kaum
Niederlassungen besaß, nur ausgerechnet die Niederlassung in dem
kleinen Wehrendorf in der Nähe vom Bonstapel in der Gemeinde
Valdorf. Diese Tatsache deutet darauf hin, dass diese Gegend,
religiös-politisch gesehen, von besonderer Bedeutung gewesen
ist. Wenn man weiter bedenkt, dass das ganze Minden-Ravensberger
Land während der Christianisierung durch die Franken mit einem
Ring von Bischofssitzen umgeben wurde, und zwar Osnabrück,
Paderborn, Hildesheim (der Bischofssitz befand sich früher noch
näher an diesem Gebiete, in Elze in Hannover) und Minden, so
dürfte damit wohl unzweifelhaft festgestellt sein, dass auch
schon, wie in germanischer Zeit, so jetzt in fränkischer Zeit,
dieses Gebiet ebenfalls als der religiös-geistige und auch
politische Mittelpunkt des Landes angesehen wurde.
Urkundlich wird
Vlotho zuerst im 12. Jahrhundert genannt. Doch ist bekannt, dass
schon vor der urkundlichen Erwähnung in der Gegend ein
Geschlecht derer von Vlotho, die zu dem freien Herren- oder
Dynastenstande gehörten, erwähnt wird. Urkundlich wird der Name
in einer Urkunde ohne Datum genannt, die von dem Bischof Anno
von Minden stammt, der in den Jahren 1173-1185 in Minden
residierte. Der damalige Edle von Vlotho hieß Gottfried. Ums
Jahr 1198 wird ein Arnold von Vlotho erwähnt; auch 1211 wird
derselbe noch einmal in einer Urkunde erwähnt. Mit diesem Arnold
von Vlotho scheint das Geschlecht ausgestorben zu sein. Im Jahre
1214 wird Vlotho von den Grafen von Ravensberg erworben und geht
dann im Jahre 1244 auf die Grafen von Tecklenburg über. Seit
dieser Zeit ist Vlotho dann sehr oft verpfändet, geteilt und
verkauft worden. So waren beispielsweise die Grafen von
Oldenburg und von Bentheim Besitzer Vlothos. Auch die Edelvögte
von dem Berge waren gemeinsam mit den Ravensbergern einmal
Besitzer der Burg. 1290 verkauften die Edelvögte von dem Berge
ihre Hälfte der Burg Vlotho an Kur-Köln. Der Erzbischof von Köln
vergab seinen Anteil an der Burg verschiedenen Rittern, so an
Otto von Eberstein, der seine Hälfte aber dem Besitzer der
anderen Hälfte der Burg übereignete, d. h. die Ravensberger
Grafen wurden wieder alleinige Besitzer. Später gelangte Vlotho
an die Herzöge von Braunschweig, die Vlotho 1348 an die Grafen
von Waldeck verpfändeten. Diese verkauften das ganze dann 1363
an die Grafen von Jülich und Berg. Dann wurde Vlotho wieder
verpfändet an eine Familie Wendt, unter deren Herrschaft die
Bürger von Minden im Jahre 1368 in der Mindener Fehde Vlotho
erstürmten und verbrannten. So wechselten dann die Inhaber von
Vlotho manchmal sogar von Jahr zu Jahr, bis endlich 1529 die
Waldeckschen Teilbesitzrechte völlig abgefunden wurden und der
Herzog von Cleve, der Erbe des Herzogtums Jülich, Vlotho seiner
Grafschaft Ravensberg ganz einverleiben konnte. 1609 kam dann
Vlotho an das Haus der Markgrafen von Brandenburg, dessen
Kurfürst damals Johann Sigismund war. Seit dem Aussterben des
Geschlechts der Herren von Vlotho hat wohl kaum einer der
späteren Besitzer jemals auf der Burg Vlotho gelebt. Nur die
Verwaltungsbeamten des jeweiligen Besitzers, die Drosten und
Burgmänner, hatten ihren Wohnsitz auf der Bergfeste, die durch
diesen Amtssitz der Drosten den Namen Amtshausberg erhielt, in
Wirklichkeit heißt der Berg „Oberg", ein Vorberg der Ebenöde.
Es ist noch zu
erwähnen, dass im Dreißigjährigen Kriege am 7. Oktober 1638
oberhalb Vlotho auf den Beerenkämpen bei Valdorf eine Schlacht
stattfand, in der die verbündeten Schweden und Protestanten von
den Kaiserlichen unter Führung des Grafen Hatzfeld geschlagen
wurden. Dabei wurde der Kurprinz Ruprecht, der Sohn des
sogenannten Winterkönigs Friedrich von der Pfalz,
gefangengenommen und der hessische Landgraf Karl Ludwig musste
über die Weser nach Minden fliehen. Die Niederlage der Schweden
und Protestanten scheint aber nicht sehr groß gewesen zu sein,
denn der schwedische Feldherr hatte zwei Tage später den größten
Teil seiner Truppen wieder zusammen. Kanonenkugeln und Waffen
aus jener Schlacht sind gefunden und teilweise auch im Museum in
Vlotho zu sehen.
Nach Beendigung des
Dreißigjährigen Krieges gerieten die inzwischen in den Besitz
von Vlotho gekommenen Brandenburger in einen Krieg mit
Frankreich und dem streitbaren Bischof von Münster, Bernhard von
Galen, der mit den Franzosen verbündet war. Die Münsterschen
fielen in Minden-Ravensberg ein und belagerten 1673 von der
Ebenöde aus die Burg, mussten aber schließlich, da sie die Burg
nicht bezwingen konnten, unverrichteter Sache wieder abziehen.
Schlimmer erging es Vlotho 6 Jahre später, im Jahre 1679, als
französische Truppen in das Gebiet einfielen. Vlotho wurde
erobert und die Burg geplündert. Der Wohnsitz der Amtmänner, der
Drosten, musste damals wegen Unbewohnbarkeit der Burg nach dem
fiskalischen Gute „Deesberg" verlegt werden.
Trotzdem Vlotho schon
ziemlich früh Stadtgerechtsame erhalten hatte, etwa um 1200, die
es bis 1450 behielt, war es doch besonders im Dreißigjährigen
Kriege so niedergegangen, dass nur noch ein gemeindlicher
Flecken ohne städtische Gerechtsame übrigblieb. Erst 1650
erhielt es wieder neue Freiheiten und erst 1719 wieder volle
städtische Gerechtsame.
Ich darf darauf
hinweisen, dass die Reste der Burg auf dem Amtshausberg nicht
die Reste der alten ersten ursprünglichen Burg sind. Die älteste
Burg Vlotho befand sich unten im Tal. Diese alte Burg im Tal
wurde bereits im Jahre 1258 zu einem Zisterzienser-Nonnenkloster
umgewandelt und diese Klosterstiftung wurde „Segenstal" genannt.
Aus dieser Zeit muss wohl auch die neuere Burg oben auf dem
Berge stammen. Das Kloster „Segenstal" wurde dann im Jahre 1440
in eine Niederlassung der Benediktinermönche umgewandelt, die
jedoch im Jahre 1560 der Reformation weichen musste.
In der neueren Zeit
ist Vlotho geschichtlich kaum mehr hervorgetreten. Nur einmal
wurde es noch genannt, als König Friedrich Wilhelm IV. von
Preußen Stadt und Burg zu der Zeit seiner Regierung im 19.
Jahrhundert besuchte. Eine schmucklose und unscheinbare
Gedenktafel an dem Rest eines alten Mauerturms, von wo aus man
einen wunderschönen Blick zur Porta Westfalica hat, erinnert
daran, dass dieser König von Preußen wahrscheinlich einmal den
Gedanken erwogen hat, die Burg Vlotho in gewissem Umfange wieder
herstellen zu lassen.
Über die
Baugeschichte der Burg Vlotho ist überhaupt nichts bekannt.
Während von den drei anderen Ravensberger Landesburgen in den
Archiven immerhin noch einige Unterlagen über ihre frühere
bauliche Gestaltung und ihre Baugeschichte vorhanden sind, ist
es bisher noch nicht gelungen, über Vlotho irgendwelche genauen
Unterlagen aufzufinden. In einem Bericht einer Kommission der
Königlichen Kriegs- und Domänenkammer zu Minden über den
baulichen Zustand der Burg aus dem Jahre 1708 wird erwähnt, dass
die Gebäude und das übrige Mauerwerk morsch seien, so dass der
nächste Sturm sie umwerfen könnte, und es wurde am Schlusse des
Berichtes der Regierung vorgeschlagen, den größten Teil der
Anlage abzubrechen und das Material zu verwerten. Dieser Bericht
hatte den gewünschten Erfolg. Die Regierung ordnete den Abbruch
der Burg bis auf wenige noch besser erhaltene Gebäudeteile an;
dieses geschah durch öffentliche Abbruchsausschreibung. Im
Frühjahr 1709 fand dann auf der Burg die Versteigerung statt,
die sage und schreibe etwa 380 Taler Erlös für den Staat
erbrachte. Offenbar haben dann die einzelnen Unternehmer aus den
ersteigerten Losen, wie es ihnen gefiel, das brauchbare Material
herausgebrochen und verwertet. Die preußische Sparsamkeit jener
Zeit hat zweifellos mit dazu beigetragen, die Burganlage bis auf
ihre Grundmauern zu zerstören. Dass der Bericht der Kommission
der Kriegs- und Domänenkammer bezüglich des baulichen Auslandes
des Mauerwerkes sehr gefärbt gewesen sein muss, geht daraus
hervor, dass bei den seit 1936 eingeleiteten
Wiederherstellungsarbeiten festgestellt worden ist, dass das
alte Mauerwerk von einer unvergleichlichen Güte und Festigkeit
ist. Offenbar wollte die Kriegs- und Domänenkammer die alte
Burg- und Festungsanlage, deren kriegstechnischer Wert nach 1700
gleich Null war, nicht mehr unterhalten und die
Unterhaltungsgelder einsparen und glaubte, aus diesem Grunde den
Abbruch vorschlagen zu müssen.
Leider konnte auch
bis heute aus keiner Zeit seit Erbauung der Burg Vlotho
irgendein Bild gefunden werden, das die äußeren Formen der Burg
erkennen ließe. Die einzigen Bilder, die vorhanden sind, sind
Stiche, deren ältester wohl aus dem Jahre 1790 stammt, also zu
einer Zeit, da die Burg bereits zum größeren Teil abgebrochen
war. Außerdem zeigen diese vorhandenen Bilder nur immer eine
Gesamtansicht von Stadt und Burg, wobei die Burg auf den
Bildern sehr klein erscheint. Einzelheiten von der Burg sind
nicht zu erkennen. Dahingegen gibt es beispielsweise von der
alten Burg in Hausberge an der Porta einen Stich von Merian,
etwa aus dem Jahre 1650, auf dem jede Einzelheit zu erkennen
ist. Nach der Versteigerung von 1709 blieben nur noch einige
wenige Gebäudeteile erhalten, so ein kleineres Gebäude mit einem
Wohnrecht für eine frühere Drostenfamilie. Auch einige
Kellergewölbe waren noch vorhanden, in denen zeitweise das
Amtsgefängnis eingerichtet wurde. Eine Zeitlang war in der
Burganlage auch ein kleiner bäuerlicher Pachtbetrieb
untergebracht. Wohl nach 1800 wurde dann im Ostteil der Burg
nach der Weser zu ein Fachwerkbau errichtet, der Wohnung und
Bürohaus der Amtmänner von Vlotho war. Von diesem sehr späten
Gebäude haben die Burg und die Bergkuppe auch den Namen
Amtshausberg erhalten. Dieses Gebäude ist aber auch schon längst
wieder abgebrochen, nur seine Grundmauern wurden bei unseren
Grabungen noch festgestellt. Nach Abbruch des Amtshauses und
Erwerb des ganzen Grundstücks durch die Stadt Vlotho wurde
lediglich noch in einem kleinen Schuppen eine Sonntagswirtschaft
unterhalten, die später zu einer Tagesgaststätte in dem noch
jetzt vorhandenen Gebäude am Nordtor erweitert worden ist. Im
Jahre 1903 wurde dann im Südostteil der Burg ein Bismarckturm
errichtet, bei dessen Bau die vorhandenen Grundmauern der alten
Kapelle zum Teil beschädigt wurden.
Am 8. September 1936
kaufte der Kreiskommunalverband Herford das Burggelände von der
Stadt Vlotho. Bei der Übernahme durch den Kreis waren die Reste
der Burg in einem derartigen Zustande, dass die Gefahr eines
völligen und restlosen Verfalls in allernächste Nähe gerückt
war. Über den Grundmauern, soweit sie nicht zerfallen waren,
wölbten sich die Schuttmassen von zwei Jahrhunderten,
Schuttmassen, die zum Teil eine Stärke von 4 Meter aufwiesen, so
dass Grundmauern, eingestürzte Gewölbe, zugeschüttete Brunnen,
Turmreste usw. überhaupt nicht mehr zu erkennen waren. Durch
Samung und Pflanzung war das ganze Burggelände darüber hinaus zu
einem Garten- bzw. Waldgrundstück geworden. Zwischen den Bäumen
standen Selterwasserbuden, ein Musikpavillon, Grotten aus
Horststeinen, Zinnenkränze, Gaslaternen und andere Unschönheiten
mehr. Einige wenige Bilder aus jener Zeit, die beigefügt sind,
mögen den Zustand veranschaulichen.
Der Landkreis Herford
hielt es für seine Pflicht, die kulturellen Bestrebungen im
nationalsozialistischen Deutschland dadurch zu unterstützen,
dass er einen geschichtlich bedeutsamen und landschaftlich
schönsten Punkt des Kreises der Vergessenheit entriss und durch
Neugestaltung den Aufbauwillen im nationalsozialistischen Staat
zum Ausdruck brachte. Darüber hinaus waren die Arbeiten auf Burg
Vlotho auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht und es
gelang auch, eine ganze Anzahl von Arbeitskräften, die bis 1936
im Wirtschaftsleben noch nicht wieder hatten untergebracht
werden können, zu übernehmen und in Arbeit und Brot zu bringen.
Außer dem eigentlichen Burggrundstück und der Vorburg, die
ebenfalls von der Stadt Vlotho erworben wurde, sah sich der
Kreis genötigt, weitere Grundstücke, besonders am Ost- und
Südhange des Burgberges zu erwerben, um auf die
Landschaftsgestaltung außerhalb der Burgmauern Einfluss zu
gewinnen. Hierdurch wurde es möglich, nach der Weser und der
Stadt zu durch geschickte Durchforstung das Blickfeld
freizumachen. Die Aufräumungsarbeiten im Burggelände selbst
begannen schon Ende Juli 1936 durch Schuttabtragung am Pallas.
Im Verlaufe von nunmehr vier Jahren ist die gesamte Burganlage
einschließlich der Vorburg von den wesentlichsten Schuttmassen
befreit worden. Auch mit dem Aushub der alten Gräben wurde
begonnen und zum Teil auf der Südseite diese fertig gestellt.
Neben der Entfernung des Schuttes wurden alle baulichen
Unschönheiten und Zutaten einer späteren Zeit innerhalb des
Burggeländes beseitigt. Aborte, Pferdeställe, Museumsbaracke,
Musikpavillon, Gartenhäuschen, Selterwasserbuden, Grotten und
Bismarckturm wurden entfernt.
Durch die Grabungen
wurden die Grundmauern der alten Burganlage in ihren
wesentlichen Teilen festgestellt, vermessen und durch einen Plan
erfasst. Die Grabungen haben wesentliche Erkenntnisse über die
bauliche Struktur der alten Burg vermittelt. Der Rest des
Bergfriedes an der Nordmauer wurde entdeckt, Grundmauern und
Gewölbereste im Pallas sowie das alte Burgtor im Westen konnten
einwandfrei festgestellt werden. Auch der Westturm konnte
ermittelt werden. Der Brunnen in den südwestlichen
Gebäudeteilen, dessen Lage fast unbekannt war, wurde entdeckt.
Auch zwei Halbtürme an der Südmauer wurden neu entdeckt sowie
der größte Teil von Gebäudegrundmauern in derselben Lage.
Hand in Hand mit der
Spatenarbeit gingen die Wiederherstellungsarbeiten. So wurde die
ganze Ringmauer vom neuen Tor im Norden in ihrem Verlauf nach
Osten, Südosten, Süden ausgebessert, zum Teil wiederhergestellt
und auf eine gewisse Höhe gebracht. Die Ringmauer am Pallas
wurde ebenfalls erneuert und auf Stockwerkhöhe gebracht. Das
Kellergewölbe im Pallas wurde wiederhergestellt. Mit der
Ausgrabung des
verschütteten Brunnens wurde begonnen; auch hier wurden zum Teil
Ausmauerungsarbeiten vorgenommen. Die Entfernung der
Schuttmassen aus dem Brunnen ist bisher bis zu einer Tiefe von
63 Meter gediehen. Die Gesamttiefe des Brunnens wird auf etwa
100 Meter geschätzt. |