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Die Hoffnung, auf Grund der Ausgrabungen
einen klaren Einblick in die
Baugeschichte der Burg zu gewinnen, ging nicht in Erfüllung, zumal die
Ausgrabungen sich nur auf das westliche Drittel des Burgplatzes
beschränk-
ten. An wichtigen Einzelheiten entdeckte man in der Südwestecke ein ehe-
maliges Tor, durch das der Weg unmittelbar zur Stadt führte, das jedoch
später zugemauert worden war. Im nordwestlichen Teil stieß man auf das
Kellergeschoß des sogenannten Pallas
*1; er war der größte aller
freigelegten
Räume. Neben ihm, nach der Gastwirtschaft hin, wurde ein zugemauertes
großes Tor freigelegt und rechts davon in der hier noch hohen Außenmauer
eine gut erhaltene Schießscharte.
Gefunden wurde auch der Burgbrunnen, der
mit Schutt angefüllt war und
bis auf 83 m Tiefe freigelegt wurde. Wenn die Sage stimmte, daß der
Esel,
der den Wassereimer hochzog, bis zur Eselswiese vor dem Jugendhofe gehen
mußte, muß der Brunnenschacht noch viel tiefer gewesen sein, denn die
Ent-
fernung bis dahin beträgt etwa 120 m.
In der Nordwestecke stieß man auch auf
die Grundmauern des ersten
Bergfriedes mit 4 m dicken Mauern. Er war rund und stand in der Nähe
des hier freigelegten Tores; seine
Fundamente waren später überbaut wor-
den.
Abgesehen von diesen Einzelergebnissen
kam man jedoch zu der wichtigen
Erkenntnis, daß mindestens drei Bauperioden festgestellt werden konnten:
in eine vorgeschichtliche Wallburg wurde in Karolingischer Zeit eine
Curtis *2
gebaut. Heinrich von Oldenburg erbaute dann um 1250 die Höhenburg, die
1368 durch Brand vernichtet wurde. Daraufhin wurde, ohne Rücksicht auf
die vorhandenen Grundmauern, die Burg errichtet, wie sie auf den Bildern
von 1581 dargestellt ist. Der beim Abbruch der Burg im Jahre 1709 an-
fallende Schutt hat Ruinen und Grabenreste zum Verschwinden gebracht.
Fünf Jahre Zeit hatte Landrat Hartmann
angesetzt, um seine Pläne in
die Wirklichkeit umzusetzen. Im Heimatkalender für das Ravensberger
Land 1941 hat er sie ausgesprochen: Neubau der Burgschenke unmittelbar
an der Südmauer mit Blick auf das Wesertal, Umbau der Gastwirtschaft in
ein Kreisheimatmuseum - Abteilung Vlotho - und Wiederaufbau des Berg-
frieds als Ersatz für den Bismarckturm mit einem Durchmesser von 10,40 m
und einer Höhe von 30 m.
Aus all diesen Plänen, von denen einige
auch im Jahre 1953 wieder auf-
tauchten, ist nichts geworden. Immerhin hat der Kreis dazu beigetragen,
einen Teil der vom weiteren Verfall bedrohten Bauten und Anlagen zu
retten.
Neu aufgebaut wurde, allerdings ohne Dach, der obere Teil des Pallas
*1,
die
Burgmauer wurde ausgebessert und auf eine gleichmäßige Höhe gebracht.
Der Burggraben wurde wieder freigelegt und 1941 ein neuer Zugang von der
Stadt durch eine Brücke und einen Treppendurchgang durch die Mauer ge-
schaffen. Außerdem wurde der Westteil der Burg durch eine Pergola
*3 von
dem
übrigen, der Gastwirtschaft dienenden Burgplatz abgetrennt.
Dieser Text wurde mit
freundlicher Genehmigung der Stadt Vlotho,
dem Buch „Geschichte der
Stadt Vlotho“ (1971) entnommen.
Dieses Buch ist nicht mehr
im Handel erhältlich.
*1 Pallas
Pallas bedeutet erstklassigen Schutz, einzigartigen Komfort.
*2 Curtis
Curtis stammt aus dem
Spätlateinischen (abgeleitet aus lat. "cohors", "cursus" = Reihe,
Umfriedung) und bezeichnet einen befestigter Wirtschaftshof (curtis)
- oder Königshof (curtis regia) in karolingischer Zeit.
*3 Pergola
Der Name Pergola deutet es ja schon an, er stammt aus den lateinischen "Pergula"
und bedeutet so viel wie Anbau.
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